1.5 Therapie der Epilepsien
Die Therapie der Epilepsien erfolgt zunächst fast immer medikamentös. Ausgehend von der genauen Kenntnis der Anfallsform wählt der Arzt ein entsprechendes Medikament aus, das dann langsam, in immer höheren Dosen verabreicht wird, entweder bis Anfallsfreiheit erreicht ist oder die Nebenwirkungen nicht mehr akzeptiert werden können. Bei schwierig zu behandelnden Epilepsien oder hoher, belastender Anfallsfrequenz kann das Ziel der Behandlung auch eine Reduktion der Anfallsfrequenz oder der Schwere der Anfälle sein. Das Behandlungsziel ist von Patient zu Patient unterschiedlich und sollte immer im Gespräch mit Arzt, Patient und Angehörigen regelmäßig überprüft werden.
In einigen Fällen kommt bei fokalen Epilepsien auch eine Operation in Frage. Voraussetzung hierfür ist, dass die Epilepsie von einem kleinen Herd ausgeht, der keine lebenswichtigen Funktionen steuert, und die Behandlung durch Medikamente vorher gescheitert ist, da eine Operation immer ein Risiko mit sich bringt. Die Diagnostik dazu kann nur in einem Epilepsie-Zentrum durchgeführt werden.
Bei bestimmten Stoffwechselstörungen kann auch eine spezielle Diät, z.B.die ketogene Kost mit einem sehr hohen Fettanteil, Erfolg versprechen.
Wichtig sind auf jeden Fall ein geordneter Tagesablauf mit geregeltem Nachtschlaf und die geregelte und pünktliche Einnahme der Medikamente.
Das Kind sollte in regelmäßigen Abständen einem Epileptologen vorgestellt werden, der die Therapie begleitet.
Nebenwirkungen
Bei Antikonvulsiva (= antiepileptischen Medikamenten) handelt es sich um wirksame Medikamente, die in die Informationsweitergabe der Zellen eingreifen. Somit ist es verständlich, dass diese Medikamente auch Nebenwirkungen aufweisen können. Bei dosisabhängigen Nebenwirkungen lässt sich meist ein zeitlicher Zusammenhang zur Einnahme der Medikamente herstellen. Die Erscheinung tritt immer im gleichen Abstand zur Tabletteneinnahme auf, nämlich zu dem Zeitpunkt der höchsten Konzentration im Blut.
Es ist jedoch auch immer zu prüfen, ob z.B. Müdigkeit, Konzentrationsprobleme oder Verlangsamung nicht auch durch die Erkrankung selbst verursacht werden. So kann es bei falscher Medikamenteneinnahme (oder fehlender Therapie) zu einem Dämmerzustand kommen, der einer Trance gleicht und einen anhaltenden Krampfanfall ohne Muskelkrämpfe darstellt. Andererseits kann das Epilepsiesyndrom selbst (z.B. Lennox-Gastaut-Syndrom) mit einem geistigen Abbau einhergehen, der unabhängig von der Medikation und den Anfällen eintritt.
Änderungen der Dosierung und medikamentöse Umstellungen sollten immer mit dem behandelnden Epileptologen abgestimmt werden. Bei Nebenwirkungen ist abzuwägen, inwieweit sie als Beeinträchtigung z.B. bei Anfallsfreiheit zu tolerieren sind. Denn durch die Reduktion eines Medikaments können erneut Anfälle auftreten, die auch bei erneuter Dosissteigerung manchmal nicht wieder kontrollierbar sind.
Therapiefindung
Die Phase der Therapiefindung kann eine deutliche Belastung für das Kind und die Familie darstellen. Gerade bei komplizierten Epilepsien, bei denen nicht sofort Anfallsfreiheit erreicht wird, werden alle Beteiligten auf eine große Geduldsprobe gestellt. Hoffnung auf das neue Medikament ist oft gepaart mit Furcht vor Versagen und Nebenwirkungen. Zeitweise kann es auch zu Leistungsminderung kommen, wenn z.B. die optimale Dosis noch nicht gefunden ist. Hier ist pädagogisches Fingerspitzengefühl gefragt, dass weder ein zu großer sekundärer Krankheitsgewinn durch völlige Entlastung entsteht, noch ein zu großer Leistungsdruck.

