8. Sexualität - Verhütung - Kinderwunsch
Auch für junge Menschen mit Epilepsie ist Sexualität, Verhütung und Kinderwunsch ein wichtiges Thema. Die meisten Menschen mit Epilepsie haben ein ganz normales Sexualleben. Sollten dennoch Probleme auftreten, so kann gemeinsam mit dem Arzt nach den Ursachen geforscht werden. Es kann sein, dass bei einigen Medikamenten eine Abnahme des sexuellen Verlangens als Nebenwirkung auftritt oder Störungen beim Orgasmus oder man ganz einfach zu müde ist. Im nächsten Schritt ist zu überlegen, ob die Störungen durch die Epilepsie verursacht werden, durch die Medikamente oder ob psychische Gründe vorliegen. Erst danach kann mit geeigneten Mitteln Abhilfe geschaffen werden, sei es durch Änderung der Medikamente oder durch Psychotherapie. Manchmal können auch Mittel gegen Potenzstörungen nützlich sein. In jedem Fall sollte man das vertrauensvolle Gespräch mit seinem Arzt suchen.
Bei der Verhütung von Schwangerschaften muss das Verhütungsmittel sehr sorgfältig ausgewählt werden, da einige Medikamente die „Pille“ so abschwächen können, dass trotz allem eine Schwangerschaft auftreten kann (Carbamazepin, Oxcarbazepin, Phenobarbital, Primidon, Phenytoin, Topiramat, Felbamat, evtl. auch Lamotrigin). Eine Lösung für dieses Problem ist die Gabe von „Pillen“ mit höherem Hormongehalt – vor allem der Gestagenanteil ist dabei wichtig, das Einsetzen von hormonhaltigen Stäbchen (enthalten nur Gestagen) in den Oberarm oder zusätzliche andere, nicht hormonelle Verhütungsmethoden. Anzeichen einer verminderten Wirksamkeit der Pille können auftretende Zwischenblutungen sein, dann sollte man den Arzt um Rat fragen.
Eine Schwangerschaft sollte gerade bei Epilepsiepatientinnen gut geplant werden um mögliche Probleme für Mutter und Kind möglichst gering zu halten. Bei einer geplanten Schwangerschaft kann im Vorfeld die Medikation optimiert und/oder eine vorsorgliche Folsäuregabe eingeleitet werden. Gerade in den ersten Wochen der Schwangerschaft ist die Gefahr einer Schädigung des Ungeborenen am größten, daher sollte bei einer ungeplanten Schwangerschaft auch nicht von Heute auf Morgen die Medikation abgesetzt oder verändert werden. Wichtig ist eine engmaschige Überwachung durch den Arzt!
Valproat in der Schwangerschaft kann folgenschwere Auswirkungen auf das werdende Kind haben, daher ist eine gründliche Beratung der Patientin notwendig. Die Deutsche Gesellschaft für Epileptologie hat zur Valproat-Behandlung in der Schwangerschaft eine ausführliche Stellungnahme herausgegeben. Sie kann auf der Homepage des IZE (www.izepilepsie.de) heruntergeladen werden.
Quellen und weitere Infos:
- EURAP - Das europäische Register für Schwangerschaften unter Antiepileptika: www.eurap.de (z.B. Broschüre „Epilepsie und Kinderwunsch“ von Prof. Dr. Bettina Schmitz)
- Vademecum Antiepileptikum (PDF-Download unter www.desitin.cz/index.php/file/download/3559)
- Buch „Das große TRIAS-Handbuch Epilepsie“von Dr. Günter Krämer, Trias Verlag

