30 Jahre – und kein bisschen leise! - Epikurier

30 Jahre – und kein bisschen leise!

Rose Keller, Verbandsvorsitzende
© LV BW

Jubiläum LV Baden-Württemberg in Stuttgart mit hochkarätigen Gästen

Es war schon fulminant, was die 1. Vorsitzende Rose Keller und ihr Team da auf die Beine gestellt hatten. Vor voll besetztem Saal im Stuttgarter GENO-Haus ging die 30 Jahre-Feier des Landesverbandes der Epilepsie-Selbsthilfegruppen in Baden-Württemberg sprichwörtlich über die Bühne. Weit vor Beginn trafen etliche der Besucher ein, nicht zuletzt deshalb, weil in der Vorankündigung zur Feier auch „ein ganz   neues Veranstaltungskonzept“ neugierig machen konnte.

Stimmungsvoll ging es los mit der musikalischen Einlage des Mundharmonika-Orchesters um die Gruppenleiterin Dorothee Fallaschek von der Selbsthilfegruppe Kernen-Rommelshausen. Danach begrüßte Rose Keller die Anwesenden und ließ in ihrer Ansprache sowohl die letzten 30 Jahre Revue passieren als auch die Ziele erkennen, um die es in den kommenden Zeiten für den Verband gehen soll. „Vieles ist besser geworden, aber vieles muss noch besser werden“ – so könnte man die Botschaft der Verbandsvorsitzenden auf eine knappe Formel bringen. Die Herausforderungen für die Zukunft sieht Keller vor allem in der Gewinnung weiterer Mitglieder, um das Thema „Epilepsie“ noch mehr in die Mitte der Gesellschaft zu tragen.

Und dann ging es schon los mit einem der angekündigten neuen Akzente. Kein Geringerer als der Mediziner und Entertainer Dr. Eckart von Hirschhausen begrüßte die Anwesenden per Videobotschaft und übermittelte seine besten Wünsche für den Verband – nicht ohne zuvor sehr eindrücklich betont zu haben, wie wichtig die Selbsthilfe für ein gelungenes und erfülltes Dasein trotz Epilepsie ist. Dem schloss sich die Behindertenbeauftragte Baden-Württembergs, Stephanie Aeffner, in ihrer anschließenden Ansprache voll an. Sehr eindrücklich brachte sie dabei noch eine „strategische Komponente“ mit ins Spiel, die die Arbeit der Selbsthilfe noch stärker machen kann: Stolz. Stolz zu sein, auf das, was man kann und auf das, was man bereits erreicht hat, so ihre Empfehlung.

Podiumsgespräch (im Bild v.l.n.r.): Dr. Dieter Dennig, Dr. Frank Kerling, Moderator Nils Hemme Hemmen, Autorin und Epilepsiebotschafterin Anja Zeipelt
© LV BW

Danach kam die zweite Neuerung des Nachmittags an die Reihe: Ein Podiumsgespräch mit ganz unterschiedlichen Gesprächsgästen zum Thema Epilepsie. Moderator Nils Hemme Hemmen war stets darauf bedacht, die individuellen und teilweise ganz unterschiedlichen Perspektiven auf die Krankheit gleichermaßen ausgewogen zum Zuge kommen zu lassen. Und das „Talk-Show“-Konzept ging gut auf. Teilnehmer der ersten Gesprächsrunde waren: Anja Zeipelt, Betroffene und mittlerweile Epilepsiebotschafterin, Dr. Dr. Sabine Rona, Fachmedizinerin für Gehirnchirurgie der Uni-klinik Tübingen, Dr. Frank Kerling von der Neurologischen Klinik Rummelsberg, einer der laut Focus-Ärzteliste beliebtesten Epileptologen Deutschlands und Fachmann im Bereich „Konservative Epileptologie“, Dr. Dieter Dennig, niedergelassener Epileptologe in Stuttgart und Spezialist für MOSES, einem Schulungsprogramm mittels dem Betroffene lernen können, ihr Handicap medizinisch, aber auch psychosozial weit besser zu managen. 

Im zweiten Durchgang des Gesprächs saßen dann auf dem Podium: Dr. Brigitte Lorch, Psychiaterin und Psychotherapeutin sowie Sozialmedizinerin, die sehr eindrücklich ihr Leben auf beiden Seiten der Erkrankung schilderte – als Medizinerin und als Betroffene. Dazu noch Dr. René Madeleyn, Arzt für Kinder- und Jugendmedizin sowie Neuropädiater von der Filderklinik, der spannende Einblicke in das Epilepsieverständnis seitens der anthroposophischen Medizin gab, während der extra aus Berlin angereiste Dr. Markus Wolf, Neuro- und Sozialpädiater des Vivantes-Klinikums Neukölln, näher auf die speziellen Belange bei Kindern und Jugendlichen mit Epilepsie einging.

Nach einer Pause wurde dann humorvoll die Endrunde des Jubiläums eingeläutet. Torsten Fuchs, seines Zeichens Humor-Coach und Klinik-Clown, zeigte sehr eindrücklich, wie ernst seine heitere Arbeit in Wirklichkeit doch ist und wie hilfreich und heilsam Humor in schwierigen Lebenssituationen sein kann.

Nils Hemme Hemmen, 

Landesverband der Epilepsie-Selbsthilfegruppen BW