Berufliche Teilhabe mit Epilepsie

Zwischen Motivation, Mauern und Mut

Eine Online-Befragung von 100 Betroffenen zeigt: Menschen mit Epilepsie wollen arbeiten, doch sie stoßen oft auf strukturelle Hürden und Vorurteile.

Wunsch nach Teilhabe – Realität voller Hürden

Die Ergebnisse zeigen deutlich: Menschen mit Epilepsie sind motiviert, qualifiziert – und trotzdem in vielen Fällen benachteiligt.

  • 96 % verfügen über einen Schulabschluss, 51 % haben (Fach-)Abitur.
  • Dennoch berichten 40 % von erheblichen Einstiegshürden in Ausbildung oder Beruf.
  • Nur 30 % können ihren Beruf uneingeschränkt ausüben.
  • Und 21 % mussten ihren Wunschberuf aufgeben.

Unsichtbar – aber nicht folgenlos

Ein wiederkehrendes Thema: die Unsichtbarkeit der Erkrankung. Viele Teilnehmende berichten von der Schwierigkeit, offen mit ihrer Diagnose umzugehen. Die Angst vor Stigmatisierung ist groß. Offenheit führt nur dann zu Akzeptanz, wenn Kollegen und Vorgesetzte gut informiert sind, was leider selten der Fall ist.

Hinzu kommen funktionale Barrieren: 50 % der Befragten erleben Einschränkungen im Berufsalltag. Das reicht von Konzentrationsproblemen durch Medikamente bis hin zu Problemen mit Nachtschichten oder Stressbelastung.

 

Bildung hilft – schützt jedoch nicht immer

Interessant: Wer später erkrankte oder gut unterstützt wurde, konnte häufiger höhere Bildungsabschlüsse erreichen. Dennoch ist Bildung kein Garant für beruflichen Erfolg. Auch Menschen mit Studium oder Ausbildung haben Schwierigkeiten bei der Jobsuche – insbesondere, wenn sie Diskriminierung erfahren.

Ein besonders belastender Befund: Wer offen mit der Erkrankung umgeht, erlebt tendenziell häufiger Ausgrenzung. Gleichzeitig benötigen diese Personen öfter spezielle Sicherheitsmaßnahmen, was wiederum die Aufmerksamkeit auf ihre Erkrankung lenkt.

 

Was sich Betroffene wünschen

Die offenen Antworten der Befragten liefern ein klares Bild: Es fehlt nicht an Leistungsbereitschaft, sondern an Strukturen, die Teilhabe ermöglichen. Die wichtigsten Forderungen:

  • Mehr betriebliche Aufklärung: zu Anfallsarten, Erste-Hilfe-Maßnahmen und medikamentösen Nebenwirkungen.
  • Flexible Arbeitsbedingungen: Gleitzeit, Homeoffice oder längere Pausen können Anfällen vorbeugen.
  • Weniger Mythen, mehr Menschlichkeit: Schulungen für Führungskräfte und Kollegen können Ängste abbauen.
  • Individuelle Lösungen statt pauschaler Ausschlüsse – gerade bei Sicherheitsfragen.
  • Stärkere Einbindung von Fachdiensten, z. B. Integrationsfachdiensten oder Schwerbehindertenvertretungen.

Fazit: Teilhabe ist möglich – aber nicht selbstverständlich

Die Erhebung belegt eindrucksvoll: Menschen mit Epilepsie haben das Potenzial zur vollen beruflichen Teilhabe. Was sie daran hindert, sind nicht allein ihre Anfälle, sondern starre Strukturen, Unsicherheiten bei Arbeitgebern und fehlende Unterstützungssysteme.

 

Daher braucht es mehr als medizinische Behandlung: Epilepsie muss als gesellschaftliche Herausforderung verstanden werden – eine, bei der Arbeitgeber, Gesundheitssysteme, Politik und Gesellschaft gemeinsam Verantwortung tragen.

 

Oder wie es eine Teilnehmerin formuliert: »Ich will nicht bevorzugt werden, ich will nur nicht benachteiligt sein.«

 

Leonie Wollscheid

Kontakt & Projektinfos

 

Epilepsie Empowerment
Deutschland e. V.


www.epipower.de

arbeit(at)epipower.de