MZEB Rheinhessen-Fachklinik Mainz - Epikurier

MZEB Rheinhessen-Fachklinik Mainz

Dr. Bredel-Geißler im Gespräch mit einer Patientin
© MZEB Mainz

Was ist eigentlich ein MZEB?

Ein MZEB ist ein Medizinisches Zentrum für Erwachsene mit Behinderung (geistige Behinderung, komplexe Mehrfachbehinderung). Der Begriff der „komplexen Mehrfachbehinderung“ ist zwar unspezifisch, er verweist aber auf die Vielfältigkeit dieser Behinderungsformen und damit auf die speziellen Anforderungen an die Gesundheitsversorgung der betroffenen Menschen. Regelhaft besteht eine Vielzahl von Beeinträchtigungen in großer Variationsbreite, unterschiedlicher Schwere und Kombination, die sich zudem wechselseitig beeinflussen. Die individuellen Kontextfaktoren haben Einfluss auf Teilhabemöglichkeiten, Therapieerfolg und Prognose. Eine bedarfsgerechte Behandlung erfordert immer individuelle und kreative Strategien unter Einbeziehung unterschiedlicher Fachdisziplinen vor Ort, die nur in der Struktur eines multi-disziplinären Settings mit einem multiprofessionellen Team möglich ist.

Für Kinder und Jugendliche mit komplexen Behinderungen hat man die Bedeutung dieses diagnostisch-therapeutischen Konzepts längst erkannt und in Form der bewährten Sozialpädiatrischen Zentren (SPZ) realisiert.

Die bisherigen ambulanten Versorgungsformen des Gesundheitssystems für Erwachsene konnten nur einzelne Versorgungsaspekte beleuchten. Ärztliche, therapeutische und psychologische Dienste arbeiten meist getrennt voneinander. Weitere Disziplinen (z. B. Hilfsmittelversorger) werden nach Auftrag tätig. Spezialisierte Beratungsstellen, z. B. zu sozialrechtlichen Fragen, sind unzureichend vorhanden. Ein direkter Austausch zwischen den Disziplinen und den Patienten ist nicht möglich, der Mehraufwand in Diagnostik und Therapie ist finanziell nicht abgebildet.

Die Schaffung der gesetzlichen Grundlage (§119c SGB V) im Jahr 2015 für die Betreibung von MZEB ist daher als Meilenstein für die gesundheitliche Versorgung dieser Menschen zu bezeichnen.

Die MZEB schließen somit eine Lücke in der ambulanten Versorgung von Menschen mit komplexen Behinderungen. Sie verstehen sich als komplementär (= ergänzend) arbeitende Ambulanzen und werden nach Überweisung tätig. In der Formulierung des §119c SGB V wird keine Definition des Personenkreises vorgenommen, welcher in den MZEB behandelt werden soll. Der Gesetzgeber hat aus verschiedenen Gründen bewusst darauf verzichtet. Den Zugang zu den MZEB regulieren stattdessen verbindliche Vorgaben der Kostenträger (GKV = gesetzliche Krankenversicherungen). Die Zugangsberechtigung wird mit dem Vorliegen spezifischer Diagnosen und mit definierten Merkmalen im Schwerbehindertenausweis (GdB, Merkzeichen) festgelegt. Wenn bei Behandlungsbedarf diese Kriterien nicht erfüllt sind, kann die Kostenübernahme als Einzelfallgenehmigung durch das MZEB beantragt werden.

Trotz der unbestritten großen Fortschritte durch Etablierung der MZEB bleiben dennoch noch viele Probleme ungelöst. Paradoxerweise wird dies gerade durch die Arbeit im MZEB besonders deutlich:

Fachärztliche Maßnahmen (z. B. MRT) lassen sich weiterhin oft nur schwer realisieren. Kliniken können die aufwendige Pflege nicht sicherstellen oder es fehlen spezielle Hilfsmittel. Psychotherapeutische Angebote sind rar, Barrierefreiheit nicht durchgehend vorhanden. Diese Schwierigkeiten sind umso größer, je deutlicher die Mitarbeitsmöglichkeit des Patienten eingeschränkt ist, je ausgeprägter die körperliche Behinderung, und zeigt sich vor allem auch bei deutlichen Verhaltensproblemen bei Menschen mit Intelligenzminderung. Auch fehlen oft Teilhabemöglichkeiten. Man sollte nicht vergessen, dass sich Gesundheit und Teilhabe gegenseitig beeinflussen – positiv wie negativ.

Letztendlich wird es den MZEB nur gelingen, die Probleme der ihnen anvertrauten Patienten zu lösen, wenn sich das Gesundheitssystem in allen Bereichen weiterentwickelt, um künftig die besonderen Anforderungen dieser Menschen berücksichtigen zu können. Gleiches gilt auch für die Schaffung von angemessenen Teilhabemöglichkeiten.

EEG-Raum
© MZEB Mainz

MZEB Rheinhessen-Fachklinik Mainz
Das Medizinische Zentrum für Erwachsene mit Behinderung (MZEB) des Landeskrankenhauses (AöR = Anstalt öffentlichen Rechts) hat am 01.10.2016 am Standort Mainz als erstes Zentrum dieser Art in Rheinland-Pfalz seine Arbeit aufgenommen.

Die Rheinhessen-Fachklinik Mainz konnte damals bereits auf langjährige Erfahrung in der Behandlung von Erwachsenen mit Behinderung zurückblicken. Seit 1999 besteht dort eine der bundesweit größten Spezialambulanzen für Menschen mit Spina bifida ohne Altersbeschränkung.

Seit 01.10.2016 können in Mainz auch Erwachsene mit anderen Behinderungsformen behandelt werden. Die Ausweitung des Angebotes gelang mit dem bereits erfahrenen ärztlich-therapeutischen Team, der Nutzung der Räumlichkeiten und den diagnostischen Angeboten vergleichsweise unkompliziert.

In Mainz können nun Kinder und Jugendliche mit Behinderung aus dem SPZ am Standort weiterbetreut und auch neue Patienten aufgenommen werden.

Das Landeskrankenhaus (AöR) als Träger des MZEB am Standort Mainz ist seit 2017 Mitglied in der BAG MZEB (Bundesarbeitsgemeinschaft MZEB e.V.). Die Leiterin des MZEB Mainz, Frau Dr. Anne Bredel-Geißler, ist Vorstandsmitglied in der BAG MZEB, Informationen über die Arbeitsgemeinschaft sowie weiterführende Informationen können auf der Homepage der BAG abgerufen werden: www.bagmzeb.de

Die Anforderungen an die Mitbehandlung von Menschen mit komplexen Behinderungen sind in vielerlei Hinsicht hoch. Beispielsweise ist die korrekte Einordnung von Symptomen durch verminderte Introspektionsfähigkeit (Selbstbeobachtung), eingeschränkte Mitarbeitsmöglichkeit oder Kommunikationsfähigkeit, vor allem bei Patienten mit geistiger Behinderung, schwierig. Klinische Symptome äußern sich häufig atypisch, die differenzialdiagnostische Einordnung, vor allem psychischer Auffälligkeiten, ist oft schwierig. Mitunter sind medizinische Dokumente und wichtige biografische Informationen lückenhaft.

Das MZEB-Team in Mainz arbeitet grundsätzlich im multidisziplinären Setting, generell stehen alle Professionen zur Verfügung. Dieses Konzept ermöglicht reibungslosen Austausch im Team vor Ort und ist Basis für individuelle und angemessene Lösungen.

Gerade bei Patienten mit geistiger Behinderung und verminderter Einsichtsfähigkeit führen Untersuchungen, ungewohnte Abläufe oder Personen oft zu stressbedingten Verhaltensproblemen. Weitere, vermeidbare Stressoren (Zeitdruck, Wartezeiten, wechselndes Personal, Lärm) können zu nicht verwertbaren Ergebnissen in der Diagnostik führen. Unverzichtbar ist hohe Flexibilität im Team und angemessene Terminplanung. Wartezeiten, Verzögerungen zwischen Einzeluntersuchungen und Zeitdruck können so minimiert werden. Wir legen zudem hohen Wert auf stabile Abläufe und Personalkonstanz.

 

Tab. 1: Team des MZEB der Rheinhessen-Fachklinik Mainz:

 

 

Umfang und Gestaltung der Behandlungstermine werden je nach Fragestellung festgelegt. Die ausführlichen Untersuchungstermine (Erst-, Verlaufsuntersuchungen) beinhalten regelhaft die ausführliche ärztliche Anamnese und Untersuchung sowie Beratung und Befunderhebung durch die weiteren Berufsgruppen.

Die körperliche, neurologische sowie die therapeutischen Untersuchungen (Physio-, Ergotherapie, Logopädie) sind regelhaft Bestandteil der ausführlichen Checks, ebenso die Untersuchung und Versorgung von Wunden oder anderen Auffälligkeiten.

Das Behandlungsteam diskutiert die Fragestellungen und Befunde und erarbeitet einen Behandlungsplan. Dieser wird mit Patienten und Familien/Betreuern besprochen und in ausführlicher schriftlicher Form verfasst. Weitere diagnostische Maßnahmen, anlassbezogene Beratungen oder Termine in den Spezialsprechstunden werden gesondert oder in Kombination mit Regelterminen vereinbart.

Tab. 2: Zusatzdiagnostik im MZEB Rheinhessen-Fachklinik Mainz:




Tab. 3: Spezialangebote im MZEB Rheinhessen-Fachklinik Mainz:


Unabhängig von Behandlungsterminen vor Ort können sich die Patienten bzw. deren Familien/Betreuer jederzeit terminunabhängig an uns wenden. Oft handelt es sich um sozialrechtliche Fragen, Fragen bei Problemen der beruflichen oder allgemeinen Teilhabe oder Fragen zur Kostenübernahme bei Hilfsmitteln. Bei Beratungsbedarf oder dringlichen medizinischen Problemen, Fragen zur Wundversorgung, Problemen bei der Hilfsmittelversorgung, oder wenn ärztliche oder psychologische Befunde aktualisiert werden müssen, werden kurzfristig zusätzliche Termine angeboten.

Das Team des MZEB mit Gästen bei der Eröffnung
© MZEB Mainz

Das Team des MZEB der Rheinhessen-Fachklinik Mainz arbeitet anlassbezogen auch aufsuchend, z. B. als Hausbesuch zur Beurteilung der Wohnverhältnisse, wenn diese zur Planung der Verordnung von Hilfsmitteln mit Platzbedarf (Pflegebett, Lifter) oder für Empfehlungen wohnraumverbessernder Maßnahmen bekannt sein müssen. Aufsuchende Arbeit ist zudem anlassbezogen in Einrichtungen möglich.

Das MZEB der Rheinhessen-Fachklinik bemüht sich um den Ausbau eines Netzwerkes zum Informations- und Erfahrungsaustausch mit anderen Institutionen, Kliniken, Ambulanzen, Einrichtungen. Zur Verbesserung der Versorgung von Erwachsenen mit Behinderung trägt das Mainzer MZEB durch Fortbildungsveranstaltungen bei.

Anmeldung:
Vor Erstvorstellung wird auf Anfrage ein Fragebogen zugestellt bzw. als Download auf der Homepage der Rheinhessen-Fachklinik Mainz zur Verfügung gestellt. Er gibt uns wesentliche Informationen zur aktuellen Fragestellung, Krankengeschichte, Diagnosen und Informationen, die für Terminplanung, ggf. auch zur Klärung der Zugangskriterien, notwendig sind.


Dr. Anne Bredel-Geißler,
Leiterin des MZEB Mainz

Kontakt:
Medizinisches Zentrum für Erwachsene mit Behinderung (MZEB)
Rheinhessen-Fachklinik Mainz
Landeskrankenhaus (AöR)
Hartmühlenweg 2-4
55122 Mainz
Tel: 06131 3782123
a.bredel-geissler(at)rfk.landeskrankenhaus.de