Freund Hund - Epikurier

Freund Hund

"Verordnen Sie lieber einen Hund!" so wurde im vergangenen Jahr ein Artikel in der "Medical Tribune" überschrieben. Da handelte es sich um Hunde, die Diabetikern eine drohende Unterzuckerung anzeigen - sehr früh und absolut zuverlässig.

Uns aber interessieren Hunde, die epilepsiekranke Menschen rechtzeitig vor einem Anfall warnen. Frau Dr. Schuler hat in der epikurier-Ausgabe 4 / 2001 einen sehr interessanten Artikel veröffentlicht. Sie stellt ihr Leben mit ihrem Chihuahua anschaulich dar. Wer ihn nicht gelesen hat, sollte das nachholen.

Wenn man ein Phänomen (in diesem Fall das Melden eines bevorstehenden Anfalls) erklären will, versucht man das zunächst mit Hilfe sichtbarer, greifbarer Fakten. So meint Frau Dr. Schuler, dass Hunde die feinen Verhaltensveränderungen, die bei vielen Kranken einem Anfall vorausgehen, vom Tier wahrgenommen werden. Es meldet sich dann, wenn es entsprechend trainiert wurde. Ich bin sicher, dass ein sensibler Hund solche Verhaltensveränderungen spürt, meist sogar früher als wir Menschen. Ausgesuchte Hunde können so ausgebildet werden. Das geschieht an einigen Stellen in den USA und sollte auch in Deutschland möglich sein.

Diese Erziehung zeigt jedoch auch einige Nachteile: Die Warnung kann unter Umständen zu spät erfolgen. Der Hund wird wahrscheinlich nicht warnen, wenn er sich in einem anderen Raum befindet. Und - wie Frau Dr. Schuler richtig schreibt - wird er seinem Schutzinstinkt nachgeben, wenn z.B. der behandelnde Arzt dem Kranken nahe kommt.

Solche Hunde kann man als "Therapiehunde" bezeichnen, nicht aber als Warnhunde. Unter "Warnhund" verstehe ich einen Hund, der den Zustand seines epilepsiekranken menschlichen Partners unabhängig von manifesten Verhaltensänderungen erkennt und ihn warnt. Das ist keinem Hund anzutrainieren. Es beruht auf einer sehr engen Bindung zwischen Mensch und Tier und einer hohen Sensibilität des Warnhundes.

Wo wird ein solcher Hund zu Verfügung stehen? Es gibt m.W. zur Zeit nur zwei Züchterinnen, die uns in absehbarer Zeit so etwas anbieten können.Die verfahren wie folgt: Der Welpe wird im Alter von 6 Wochen ausgestestet und zwar am Kranken direkt. 9 von 10 Welpen bestehen den Test nicht. Bis der Welpe 12 Wochen alt ist, bleibt er mit seinen Geschwistern bei der Mutter, wird aber oft mit dem Kranken zusammengebracht. Danach zieht er ganz zum Kranken um. Ein spezielles Training erfolgt nicht, es sei denn man bezeichnet das häufige Loben des Hundes (bei Anfällen und seines Warnens) so.

Sofort erhebt sich jetzt die Frage: Was bewegt den Hund? (Ich glaube nicht an telepathische Übertragungen.) Der Platz hier reicht nicht aus, um diese Frage explizit zu beantworten. Darum will ich versuchen, mit kurzen Worten meine Auffassung im Groben darzulegen: Hunde sind Rudeltiere. Ihr Überleben hängt davon ab, wie gut sie sich unter- einander verständigen. Ihre Sprache reicht dafür nicht aus. Es gibt aber ein energetisches Feld, das von jedem Rudelmitglied wie ein Funkspruch empfangen und beantwortet wird. Anders wäre z.B. nicht zu erklären, dass Rudel von Raubtieren sich in verschiedene Gruppen, die sich untereinander verständigen, aufteilen, um die Herde, die sie bejagen, von verschiedenen Seiten angreifen zu können. Anders wäre nicht zu erklären, warum bei Zugvögeln der letzte Linksaußen gleichzeitig mit dem Anführer die Richtung wechselt. Es gibt noch viele solcher Erscheinungen.

Darum gestatte ich mir anzunehmen, dass auch zwischen Mensch und Hund ein solches energetisches Feld besteht bzw. bestehen kann. Zum Schluss möchte ich noch eine letzte Frage, die mit Sicherheit gestellt werden wird, beantworten.

Warum funktioniert das nur bei so wenigen Hunden? Antwort: Zwar sind alle Hunde sensibel, sensibler als wir. Doch genau wie bei uns gibt es da individuelle Unterschiede. Mancher Ehemann merkt es noch nach Jahren des Zusammenlebens nicht, wenn seine Frau Probleme hat. Außerdem muss man die Sensibilität differenzieren. Furtwängler hörte sofort, wenn eine der zahlreichen Geigen in seinem Orchester nicht hundertprozen- tig den richtigen Ton traf. Rubens hätte so etwas nicht bemerkt, dafür aber jede Farbnuance auf dem Geigenkorpus.

Ich bin überzeugt, dass mit guten Warnhunden vielen Kranken geholfen werden kann. Doch es ist noch viel Arbeit zu leisten. Bitte seien Sie so freundlich, an den epikurier zu schreiben, falls Sie über praktische Erfahrungen verfügen oder auch von Bekannten etwas über das Thema "Hund und epliepsiekranker Mensch" hören!

Gert August, Pr. Oldendorf