Liegt die Therapie der Zukunft im EEG - bzw. Neuro - Feedback - Training? - Epikurier

Liegt die Therapie der Zukunft im

EEG - bzw. Neuro - Feedback - Training ?

Können wir selbst unsere Anfälle erkennen und ihnen aktiv durch Selbstregulation entgegenwirken?


In einem Artikel von Frau Dr. Strehl, einer Psychologin am Institut für Medizinische Psychologie und Verhaltensneurobiologie der Universität Tübingen wird zum sogenannten Neuro-Feedback Stellung genommen. Dabei handelt es sich um eine Methode zur Selbstregulation auf der Basis langsamer Gehirnpotentiale. Mittels kommerziell erhältlicher mehrkanaliger EEG-Feedback-Geräte sollen Epilepsiekranke dahingehend trainiert werden, ihre Anfälle "rechtzeitig" zu erkennen und ihnen entgegenzuwirken.

Den neurophysiologischen Dreh- und Angelpunkt bilden dabei langsame Gehirnstromanteile, die sich kurz vor einem epileptischen Anfall "zum negativen Pol" hin verschieben. Diese Negativierung gilt es erstens zu erkennen (z. B. anhand einer Aura oder sonstiger Phänomene) und zweitens ihr entgegenzuwirken, indem die langsamen Gehirnstromanteile, durch entsprechendes erlerntes, autoregulatives Verhalten zum "positiven Pol" hin verschoben werden. Auf diese Art und Weise kann ein Anfall unterdrückt werden. Mit Hilfe der dafür erforderlichen technischen Ausrüstung kann der Patient sein EEG noch während der Ableitung betrachten und es durch gezieltes Training erlernen, jene langsamen Gehirnstromanteile zum "positiven Pol" hin zu lenken. Der Trainingserfolg wird ihm zeitgleich auf einem Monitor präsentiert.

Dies hört sich in der Theorie alles sehr logisch und plausibel an, aber läßt es sich in der Realität auch genauso verwirklichen? Denn die bisher durchgeführten Studien weisen in ihrem "setting" noch erhebliche methodische Schwächen auf, z. B. bei den diagnostischen Kriterien, bei der Größe der Stichproben und der Art der Kontrollgruppen.

Des weiteren kann sich u. U. bei einer gleichzeitigen medikamentösen Therapie insoweit ein Problem ergeben, als dass der Wirkstoff die Selbstkontroll-fähigkeit beeinträchtigen kann, nämlich dann, wenn einige Antiepileptika die ersten Anzeichen eines Anfalls unterdrücken und somit eine Selbstregulation erschwert bzw. unmöglich wird.

Das Ausmaß der technischen Ausrüstung und des Bedarfs pro Patient ist mit einer EEG-Kontrolleinheit, einem EEG-Verstärker, einem Notebook für das Neuro-Feedback, einem PC mit A/D- Wandler-Karte und einer Computertrainingseinheit (für zu Hause) enorm und stellt uns gerade jetzt, bei der eher destruktiv-restriktiven Form unserer derzeitigen Gesundheitspolitik vor finanzielle Schwierigkeiten. Bei welchen Anfallsformen läßt sich diese Methode überhaupt mit dem erwünschten Erfolg, nämlich einer Reduktion der Medikamentendosis oder sogar einem Weglassen der Antiepileptika, anwenden? Wie sehr ist das Neuro-Feedback-Training auch für Kleinkinder geeignet?

Dies sind nur einige Fragen, die sich bei der Betrachtung dieser Behandlungsmöglichkeit ergeben. Dennoch sollte man meines Erachtens den Ergebnissen methodisch einwandfreier Studien durchaus offen, aber kritisch gegenüberstehen. Denn individuell abgestimmt und kompetent betreut, mag diese Behandlungsalternative für den einen oder anderen Patienten durchaus eine sinnvolle Ergänzung seiner bisherigen medikamentösen Therapie, evtl. auch die alleinige Methode der Wahl sein.

Arndt Lange, Waging am See