Bericht vom MECIF (Mara Epilepsie-chirurgisches Informationsforum) Bethel - Epikurier

Bericht vom MECIF

(Mara Epilepsie-chirurgisches Informationsforum) Bethel

Am 22. März fand in Bethel, im Haus Nazareth das sogenannte MECIF (Mara Epilepsie- chirurgisches Informationsforum) statt. Im Kern der Tagesveranstaltung standen drei Vorträge von Experten aus dem Bereich der Epilepsie-Chirurgie.

  1. Dr. Pannek, leitender Chirurg in Bethel:

    • Er referierte über den Ablauf präoperativer Diagnostik.

  2. Dr. S. Koch-Stoecker, Psychiaterin im Bereich der Epilepsie Chirurgie Bethel:

    • Sie setzte sich in ihrem Vortrag damit auseinander, ob der epilepsiechirurgische Eingriff durch psychiatrische Beeinträchtigungen in Frage gestellt werden kann.

  3. Dr. Specht, Rehabilitationsabteilung Bethel:

    • Er informierte über postoperative Rehabilitationsmöglichkeiten in Bethel.


Die Vorträge bauten thematisch aufeinander auf und waren alle sehr interessant. Da von ihm besonders begeistert, möchte ich den von Frau Dr. Koch-Stoecker herausgreifen und in Kurzform wiedergeben.

Dr. S. Koch-Stoecker:
Vortrag auf dem MECIF am 22. März 2003 im Haus Nazareth, Bethel, zum Thema: „Kann der epilepsiechirurgische Eingriff durch psychiatrische Beeinträchtigungen in Frage gestellt werden?“

Nach S. Koch-Stoecker (Psychiaterin in Bethel) leiden sehr viele Menschen mit Epilepsie zusätzlich unter psychischen Störungen. Dafür gibt es folgende Gründe:

Psychische Belastung von Menschen mit Epilepsie

  • Resignation über die epilepsiebedingten Einschränkungen im Alltag. & Erfahrung keinen Einfluss auf das Auftreten der Anfälle zu haben.
  • Angst vor Peinlichkeit, Angst vor Unfällen.
  • Mangelndes Selbstwertgefühl, Misstrauen, innere Instabilität.
  • Stimmungs- und Wahrnehmungsstörungen durch den Epilepsieherd selbst.
  • Medikamente und deren Nebenwirkungen.


Was sind in diesem Zusammenhang depressive Störungen?
Mutlosigkeit, Traurigkeit, Schlafstörungen, keinen Schwung, innere Unruhe, Leere, Schuldgefühle, Angst, sexuelles Desinteresse, Grübeln, Sorgen.

Stimmungsstörungen bei Epilepsie:
Wut, Reizbarkeit, schlechte Stimmung, Unzufriedenheit, Auseinandersetzung mit anschließendem massiv schlechten Gewissen gegenüber anderen.

Wenn eine Operation geplant wird besteht, vielfach die Hoffnung, dass all diese psychischen Probleme bei Anfallsfreiheit wegfallen werden. Gerade psychisch belastete Menschen haben mit der Operation verbunden überhöhte Erwartungen und wünschen sich, dass endlich alles gut wird.

Die folgende Abbildung zeigt die häufigsten Wünsche und Erwartungen von Menschen mit Epilepsie für das Leben nach der OP:
                    Befunde                                          Handlungsvermögen
körperlich    Wegfall von Medikamenten                Mobilität später Führerschein
psychisch     Verbesserung der Depression,           Verbesserung der Konzentration,
                    Stimmung, soziale Ängste,                Vitalität , Gedächtnis.
                    Zukunftsängste.    
sozial          weniger Rückzug,                               soziale Kompetenz,
                    Zugehörigkeitsgefühl,                         berufliche Erfüllung Freude, Glück.
                    Anerkennung.     

So einfach ist das aber nicht, bzw. so schnell lassen sich psychische Probleme nicht ablegen. Zum Beispiel kann, wer sein Leben lang ängstlich war, diese Angst nicht einfach ablegen, wer Probleme mit Selbstzweifeln gehabt hat, wird nicht sofort mutig und sicher auftreten, wer vorher eine eher misstrauische Person gewesen ist, nicht plötzlich vertrauensvoll sein.

Um einen Neuanfang machen zu können, ist es nach S. Koch-Stoecker sehr wichtig, Eigeninitiative zu entwickeln und aktiv zu werden, um andere Verhaltensweisen erlernen zu können und neue Fertigkeiten aufzubauen. Sofort nach der OP ein solches Verhalten zu zeigen, gelingt nach Frau Koch-Stoeckers Erfahrung nicht immer oder zumindest nicht immer automatisch und ohne Hilfe.

Wenn psychische Probleme nach der Operation unverändert oder gar schlimmer fortbestehen, kann es sogar vorkommen, dass die lang ersehnte und endlich eingetretene Anfallsfreiheit nicht positiv genutzt werden kann. Koch-Stoecker rät daher schon vor der OP damit zu beginnen, ein realistisches Bild der eigenen postoperativen Möglichkeiten zu erarbeiten. Falls nötig, soll dazu auch psychotherapeutische Unterstützung in Anspruch genommen werden, da sonst die alten problematischen Ver- haltensweisen eine Weiterentwicklung verhinderten. Je realistischer das Bild der eigenen Möglichkeiten sei, desto mehr Chancen ergäben sich für PatientInnen in Bezug auf die zukünftige Lebensqualität:

Lebensqualität versteht Koch-Stoecker in diesem Zusammenhang als:

  • Verbesserungen in psychischer, physischer und sozialer Hinsicht.
  • Postoperative Zufriedenheit die besonders bei realistischer Erwartung groß ist.
  • Eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität bei Patienten, die anfallsfrei werden.
  • Eine realistische Erwartung die am ehesten bei Menschen mit guter sozialer Basis gegeben ist.


Anne Pfingsten- Mensching, Bielefeld
Landesverband NRW, Vorstand