Handlungspläne
HEAL und HEAT
Epileptische Anfälle – insbesonders tonisch-klonische mit Sturz und Bewusstseinsverlust – sehen für Außenstehende oft bedrohlich aus, sind aber in den überwiegenden Fällen selbst limitierend und benötigen keine besonderen Interventionen.
Manche Menschen mit Epilepsie bekommen von ihrem behandelnden Arzt Medikamente zur Anfallsunterbrechung verschrieben, weil eine Neigung zum Status epilepticus besteht, meistens jedoch als reine Vorsichtsmaßnahme.
Wenn ein betroffenes Kind mit Epilepsie neu in die Schulklasse kommt, sind Lehrkräften bzw. Betreuer häufig verunsichert, was im Notfall zu tun ist und wer welche Handlungen vornehmen darf/muss.
Um in einer Notfallsituation die Rahmenbedingungen für die nötige Hilfeleistung so klar wie möglich abzustecken, wurde von einer Arbeitsgruppe mit ausgewiesener Epilepsie-Expertise (Prof. Dr. Kerstin Alexandra Klotz/Bonn, Dr. Thomas Bast/Kehl-Kork, Prof. Dr. Adam Strzelczyk/Frankfurt, Prof. Dr. Susanne Schubert-Bast/Frankfurt) die Handlungspläne HEAL und HEAT entwickelt, um leicht verständliche und einfach anwendbare Handlungsanweisungen für den Umgang mit epileptischen Anfällen zu geben.
- HEAL (Handlungsplan epileptischer Anfall für Laien):
Für Personen ohne spezielle Erfahrung im Umgang mit epileptischen Anfällen, z. B. Betreuer in Kindergärten/Schulen/Arbeitsplatz, Freizeitbegleiter und Eltern nach der Erstdiagnose einer Epilepsie; geeignet für Patienten, bei denen maximal ein anfallsunterbrechendes Medikament (AUM) notwendig ist. - HEAT (Handlungsplan epileptischer Anfall für »Therapeuten«)
Für Personen mit Erfahrung im Umgang mit epileptischen Anfällen und anfallsunterbrechenden Medikamenten (AUM), z. B. erfahrene Eltern oder Lebenspartner, Pflegepersonal in Betreuungseinrichtungen und spezialisiertes Betreuungspersonal; geeignet für Patienten, bei denen ein mehrstufiges Vorgehen erforderlich ist, der Bedarf von mehr als einem AUM besteht, mit Neigung zu Anfallsserien oder Status epilepticus oder mit besonderen anderen Risikofaktoren.
Sinn und Zweck einer solchen festen Vereinbarung ist es, allen Beteiligten ein Gefühl der Sicherheit beim Umgang mit dieser besonderen Situation zu vermitteln.
Besonders zu begrüßen ist vor allem die Tatsache, dass bei HEAL auch die Möglichkeit festgelegt werden kann, dass die Gabe eines anfallsunterbrechenden Medikaments bei den bislang bekannten Anfällen des Patienten nicht erforderlich ist. Denn nicht jeder Anfall ist ein Notfall und benötigt ein Bedarfsmedikament – auch wenn das Bedürfnis bei vielen Eltern oder Betreuern groß ist, hier »auf Nummer sicher zu gehen«.
Die beiden Handlungspläne stehen gemeinsam mit einer entsprechenden Ausfüllhilfe auf verschiedenen Internetseiten als Download zur Verfügung:
Deutsche Gesellschaft für Epileptologie:
www.dgfe.org/news/detail/heal-und-heat-handlungsplaene
e.b.e. epilepsie bundes-elternverband:
www.epilepsie-elternverband.de/material/handlungsplaene/
Epilepsie-Lehrerpaket:
epilepsie-lehrerpaket.de/docs/29_handlungsplan.html


