Notfallmedikamente - Epikurier

Notfallmedikamente

Epileptische Anfälle können sehr unterschiedlich aussehen, das Spektrum der Anfallsformen reicht von einer einfachen Bewusstseinspause (Absence) bis hin zum dramatisch aussehenden Grand-Mal-Anfall. Von einem Notfall spricht man bei Anfällen erst dann, wenn ein Status epilepticus vorliegt.

Die Leitlinien zur Behandlung des Status epilepticus bieten Ärzten einen roten Faden, wie der Patient behandelt werden soll. Laien, also Eltern, Angehörige, Freunde; Lehrer, Erzieher, Betreuer …, können nur erste Hilfe leisten.

Welche Möglichkeiten stehen Eltern, Angehörigen, Betreuern … für die erste Hilfe zur Verfügung?

  • Vor allen anderen Maßnahmen sollte man dafür sorgen, dass sich der Patient nicht verletzen kann. Also, etwas Weiches unter den Kopf legen und alles aus dem Weg räumen, woran sich der Patient verletzen kann. Schauen Sie auf die Uhr, damit Sie wissen, wie lange der Anfall dauert und lassen Sie den Patienten nicht allein.


Ein Status kann mit Notfallmedikamenten unterbrochen werden. Für Laien stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung, die auch unterschiedlich anzuwenden sind.

  • Diazepam als Rektiole ist wohl die bekannteste Möglichkeit erste Hilfe zu leisten. Dabei handelt es sich um ein Medikament, das in einer kleinen Tube ist und dem Patienten rektal, also in den Po gegeben wird. Dabei ist zu beachten, dass die Tube vollständig entleert und beim Rausziehen noch gedrückt wird, damit das Medikament nicht wieder in die Tube zurückgesaugt wird. Mag diese Notfallbehandlung bei kleinen Kindern noch halbwegs praktikabel sein, bei älteren Kindern oder Erwachsenen ist es schon eine Meisterleistung, den krampfenden Menschen soweit zu entkleiden, dass man das Medikament geben kann. Ganz abgesehen davon, dass es für den Betroffenen selber ausgesprochen peinlich ist, wenn er im Anfall auch noch mit heruntergelassener Hose daliegt.
  • Chloralhydrat gibt es ebenfalls als Rektiole, die Anwendung ist wie beim Diazepam.
  • Am einfachsten ist die Anwendung von Lorazepam, das als Tavor expidet gegeben werden kann. Tavor expidet sind kleine Plättchen, die man in den Mund gibt und die sich dort schnell auflösen. Der Wirkstoff wird über die Mundschleimhaut aufgenommen. Der Patient muss dabei nichts schlucken, kann sich also auch nicht verschlucken oder etwas davon einatmen. Anwendungstechnisch ist dies die einfachste Methode zur Notfallbehandlung durch Laien.
  • Wenn der Patient vorher spürt, ob ein Anfall kommt, kann er vorsorglich natürlich auch Medikamente in Tropfenform nehmen. Ihr Arzt wird Ihnen dazu die entsprechenden Medikamente verordnen.


Wann sollte man die Notfallmedikation verabreichen?
Die Medikamente sollten nach einer bestimmten Zeit, die mit dem behandelnden Arzt vereinbart wurde, gegeben werden. Dabei spielt nicht nur das individuelle Anfallsgeschehen eine Rolle, sondern auch die Verfassung der Beobachter bei einem Anfall. Manchmal kann man als Zuschauer das „Nichts-Tun-Können“ kaum aushalten. Gerade bei dramatisch aussehenden Grand-Mal-Anfällen sind Beobachter, die nicht sehr viel oder gar keine Erfahrung mit epileptischen Anfällen haben, oft geschockt und geben dann verständlicherweise das Medikament zu früh oder rufen unnötigerweise den Notarzt.

Was soll ich tun, wenn die Notfallmedikation nicht wirkt?
Sollte das Medikament nicht den gewünschten Erfolg haben, dann ist es ratsam den Notarzt zu rufen, denn weitergehende Behandlungen können nicht mehr von Laien durchgeführt werden.

Was muss ich beachten?
Bei den Möglichkeiten zur Notfallmedikation gilt genau wie bei der Dauerbehandlung einer Epilepsie: Probieren geht über Studieren. Jeder Patient muss sein individuell wirksames Notfallmedikament finden, genau wie die Dauertherapie auch maßgeschneidert werden sollte. Sprechen Sie daher mit Ihrem Arzt durch, was für Sie persönlich das beste Vorgehen bei einem Status ist und weisen Sie Ihre Mitmenschen in die dringendsten Notfallmaßnahmen, sowie die Handhabung und Dosierung der Medikamente ein.

Susanne Fey, Wuppertal

Was ist ein Status epilepticus?
Die Leitlinien der medizinischen Fachgesellschaften zur Behandlung eines Status epilepticus sehen folgende Definition vor:


Für Kinder (Stand 2001):
Der Status epilepticus (SE )ist a) eine kontinuierliche klinische und/oder elektroenzephalographische Anfallsaktivität mit oder ohne Bewusstseinsverlust von mindestens 30 Minuten Dauer oder b) ein wiederholtes Auftreten von epileptischen Anfällen ohne zwischenzeitliche vollständige Wiedererlangung des Bewusstseins. Nach dreißig Minuten wird ein Status zum lebensbedrohlichen und hirnschädigenden Ereignis.


Für Erwachsene (Stand 2005):
Ein Status epilepticus (SE) ist (a) ein epileptischer Anfall, dessen Dauer eine konventional festgelegte Grenze von 5 Minuten bei generalisierten tonisch-klonischen Anfällen und von 20-30 Minuten bei fokalen Anfällen oder Absencen überschreitet, oder (b) eine Sequenz mit gleicher Mindestdauer von einzelnen epileptischen Anfällen in kurzen Abständen, zwischen denen klinisch oder elektroenzephalographisch keine vollständige Restitution erfolgt.

Je nach Art der Anfälle wird ein Status epilepticus mit Begriffen wie „konvulsiv generalisiert“, „konvulsiv fokal“, „nicht konvulsiv“ oder „psychomotorisch“ näher beschrieben.