Epilepsie und Mobilität

Chefarzt Dr. Thomas Mayer, selbst begeisterter Radfahrer
Frau Dreßel stellt den Begleitservice der Dresdner Verkehrsbetriebe vor
„volles Haus“ und spannende Vorträge beim 11. Epilepsieforum in Dresden
Podiumsdiskussion zum Thema Reisen mit Epilepsie

Ein Thema, das bewegt

Ob Zukunftsvisionen wie „autonomes Fahren“ oder moderne Alternativen wie „E-Bikes“- die Beiträge zum diesjährigen Epilepsieforum Dresden sprachen das Grundbedürfnis aller Menschen an: Mobilität. Denn mobil zu bleiben ist für Menschen mit Anfallserkrankungen nicht immer einfach. Mögliche Gefahren und persönliche Freiheit gegeneinander abzuwägen fällt oft schwer. Betroffene fürchten bei Verlust des Führerscheins eine starke Einschränkung ihrer eigenen Mobilität. Dass es nicht so sein muss, zeigte Dr. Thomas Mayer in einem spannenden Eröffnungsvortrag.

Der Chefarzt des Sächsischen Epilepsiezentrums Radeberg ist selbst begeisterter Fahrradfahrer. Gemeinsam mit seinem Team brachte er spannende Vorträge und Experten zum Epilepsieforum nach Dresden – und das schon zum 11. Mal. „Mobil sein ist heute eine wichtige Voraussetzung in allen Bereichen des Lebens. Dabei muss es nicht immer das Auto sein. Bus, Bahn und Fahrrad sind sehr gute Alternativen“, fasst er später zusammen und führt weiter aus: „Unser Epilepsieforum will mit Referaten und technischen Angeboten zeigen, wie es heute möglich ist, mobil zu bleiben, trotz Epilepsie. Jeden kann es treffen und jeder kann Alternativen finden.

Eine dieser Alternativen zeigte Frau Dreßel von den Dresdner Verkehrsbetrieben (DVB). In einem engagierten Vortrag wies sie auf Mobilitätshilfen in Bus und Bahn hin und stellte den Begleitservice in der sächsischen Landeshauptstadt vor. So können sich behinderte oder von Krankheit eingeschränkte Menschen vom Serviceteam der DVB begleiten lassen. Und das völlig kostenlos. Einen gültigen Fahrschein sollte man natürlich besitzen, bevor das geschulte Personal den Kunden von der Haustür bis zum Ziel und zurück begleitet. Der Service kann Montag bis Freitag in der Zeit von 07:00 bis 18:00 Uhr genutzt werden und lässt sich ganz einfach unter der Telefonnummer 0351 8572605 bestellen. Eine rechtzeitige Vorbestellung ist teilweise unumgänglich. Das Projekt wird zum Teil aus EU-Fördermitteln finanziert. Da diese Förderung jedoch zeitlich begrenzt ist, wird ab Mitte 2014 ein neues Finanzierungskonzept für den Begleitservice gesucht. Die Dresdner Verkehrsbetriebe hoffen dabei auf die Unterstützung der Stadt Dresden.

Von ihren eigenen Erfahrungen berichteten Betroffene in einem Podiumsgespräch. Sie zeigten, dass auch mit Epilepsie tolle Reisepläne möglich sind. Für weitere Bewegung sorgten am Rand der Veranstaltung die Testangebote der Firma Fahrrad XXLEmporon. Mit den mittlerweile recht verbreiteten E-Bikes lässt sich manch lange Strecke nun doch mit wesentlich geringerem Kraftaufwand meistern.

Und dann hatte das Team des Sächsischen Epilepsiezentrums Radeberg noch einen besonderen Vortrag zu bieten. Unter der Überschrift „Unabhängig in die Zukunft“ stellte Bennet Fischer von der Freien Universität Berlin ein Forschungsprojekt vor, über das momentan viele deutsche Tageszeitungen berichten. Es handelt sich um das Thema autonomes Fahren und das eigens entwickelte Forschungsfahrzeug. Ausgestattet mit speziellen Sensoren ist es bereits seit zwei Jahren völlig selbstständig auf Berliner Straßen unterwegs. Aus juristischen und versicherungsrechtlichen Gründen muss ein Testfahrer aber jederzeit das Auto abbremsen können. Die Ingenieure und Informatiker vom Projekt AutoNomos gehen schon jetzt einen Schritt weiter und arbeiten an einem System, das einen epileptischen Anfall erkennen kann und infolgedessen das Fahrzeug sicher zum Anhalten bringt und einen Notruf absetzt. Bis zur Serienreife bleibt das natürlich alles noch Zukunftsmusik. Sollte es aber in Zukunft Autos geben, die keinen Unfall mehr bauen, egal wer am Steuer sitzt, dann hätten auch Menschen mit Epilepsie einen Grund weniger, sich über Mobilität Sorgen zu machen.

Patricia Wachsmuth und Alexander Nuck,
Kleinwachau

 

 

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Bilder-Quelle: Sächsisches Epilepsiezentrum Radeberg