Fokale Cortex-Stimulation (FCS)

Funktionsweise und erste klinische Erfahrungen

Bildquelle: ©Precisis GmbH

Die Fokale Cortex-Stimulation (FCS) ist ein neues neurostimulatorisches Verfahren zur Behandlung pharmakoresistenter fokaler Epilepsien. Sie ergänzt etablierte Therapieformen wie Vagusnervstimulation, tiefe Hirnstimulation und responsive Neurostimulation. Ziel der FCS ist es, epileptische Netzwerke durch eine gezielte elektrische Stimulation unmittelbar an der kortikalen Oberfläche zu modulieren.

Das CE-zertifizierte EASEE®-System besteht aus einer subgaleal (= zwischen Kopfhaut und Schädelknochen) fixierten Elektrode, die aus einer Zentralelektrode und vier ringförmig angeordneten Elektroden besteht. Sie wird über dem epileptischen Fokus platziert und erlaubt eine sehr fokussierte Stimulation. Ein subkutan implantierter Generator liefert sowohl hochfrequente Wechselstromimpulse als auch Gleichstrom-ähnliche Stimulationsanteile. Die Intensität bleibt stets unterhalb der Wahrnehmungsschwelle. Zusätzlich kann eine patientengesteuerte On-Demand-Stimulation genutzt werden, wenn frühe Anfallszeichen verspürt werden.

Erste klinische Daten aus zwei prospektiven Studien zeigen eine deutliche Reduktion der Anfallshäufigkeit. Nach sechs Monaten betrug die mediane Anfallsreduktion rund 50 %, die Responder-Rate lag ebenfalls über 50 %. Nach zwei Jahren wurden Werte um 65 % erreicht – vergleichbar mit anderen etablierten Neurostimulationsverfahren. Das Sicherheitsprofil ist günstig; schwerwiegende Nebenwirkungen wurden bislang selten beobachtet. Ein Einzelfallbericht deutet zudem auf einen möglichen Nutzen der On-Demand-Stimulation zur Vermeidung der Anfallsprogression hin.

Geeignet sind vor allem Patienten mit fokalem epileptischem Fokus an der dorsolateralen Konvexität, insbesondere wenn eine resektive Epilepsiechirurgie aufgrund der Nähe zu eloquenten Arealen nicht möglich ist. Auch nicht-läsionelle Foki können berücksichtigt werden, sofern die Lokalisation durch EEG und Semiologie ausreichend gesichert ist. Die Methode ist reversibel und weniger invasiv als andere intrakranielle Verfahren, erfordert jedoch eine präzise chirurgische Implantation.

Die FCS könnte sich als wertvolle Ergänzung des therapeutischen Spektrums etablieren, insbesondere für Patienten, die von einer lokal wirkenden, aber zugleich schonenden Neurostimulation profitieren. Weitere Untersuchungen – mehrere nationale Register – sollen helfen, die optimale Patientenselektion und langfristige Wirksamkeit zu definieren.

 

Dr. Martin Hirsch

Kontakt:

Dr. Martin Hirsch, Oberarzt
Epilepsiezentrum
Universitätsklinikum Freiburg
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