Zwischen Haltgeben und Loslassen

Elternsein mit einem epilepsiekranken Kind

Bildquelle: ©Psychosoziale Beratungsstelle Nürnberg

Zu diesem Thema organisierte die Psychosoziale Beratungsstelle für Menschen mit Epilepsie Anfang März 2026 einen Workshop für Eltern von Kindern (jeden Alters) mit Epilepsie.

Grundsätzlich stehen Eltern häufig im Spannungsfeld zwischen Fürsorge und Förderung von Selbstständigkeit, irgendwann kommt der natürliche Ablösungsprozess vom Elternhaus dazu – und dann hat das Kind auch noch Epilepsie!

Der Referentin Daniela Ursel (Dipl. Sozial-Pädagogin (FH), systemische Therapeutin, Supervisorin und Coachin) gelang es gut, die zehn Eltern anhand verschiedener Methoden für den herausfordernden Prozess des Loslassens zu sensibilisieren.

Dabei richtete sich der Fokus nicht darauf, was diesen Prozess erschwert, sondern was diesen einfacher machen kann: Wo bleibe ich als Mutter oder Vater eigentlich mit meinen Bedürfnissen? Wo bleiben wir als Paar? Wie gelingt ein erweiterter Blick auf die eigene Lebenssituation? Ein guter Einstieg war das Spaghetti-Diagramm, um abzubilden, welche Ressourcen die Eltern mitbringen und was sie miteinander verbindet – und zwar außer der Erkrankung Epilepsie in der Familie!

Alle Teilnehmenden tauschten sich lebhaft untereinander aus, um gemeinsame Hobbys oder Themen oder andere Gemeinsamkeiten zu entdecken. Dieses wurde mit einer Art Diagramm an der Wand visualisiert. Und schnell wurde ersichtlich: »Es gibt noch so viel anderes, was man mit anderen teilt, es muss nicht immer um die Erkrankung des Kindes gehen«!

Ein Highlight war die Aufstellung im Raum, bei der Personen stellvertretend für Familienmitglieder und auch die Epilepsie im Raum positioniert werden, und dadurch die Komplexität eines beispielhaften Familiensystems verdeutlicht wird. Unter Anleitung von Daniela Ursel wurde eine mögliche Lösung der spezifischen Fragestellung erarbeitet.

Bildquelle: ©Psychosoziale Beratungsstelle Nürnberg

Nach einem gemeinsamen Mittagessen kreierte jeder Teilnehmende für sich eine Skulptur aus bunten Seilen, die die Epilepsie des Kindes darstellen sollte. Dadurch wurde eine Betrachtung der Diagnose des Kindes aus anderer Perspektive möglich.

»Ich erkenne gerade, es handelt sich um die Epilepsie meines erwachsenen Sohnes und nicht um meine!« So die Erkenntnis einer Mutter, der deutlich wurde, dass es für sie Sinn macht, das bewusst zu trennen.

Die Whiskeymixer-Messwechsel-Wachsmaske-Auflockerungsübung sorgte für viel Gelächter und dafür, dass bei aller Schwere der Humor nicht zu kurz kam!

Es war sicher für manche Teilnehmenden eine ungewöhnliche Herangehensweise, sich mit dem Thema »Mein Kind hat Epilepsie« zu befassen. »Es gab den ein oder anderen überraschenden Impuls, der sicher noch lange nachwirken wird«! »Ja, es hat sich gelohnt, an diesem Workshop teilzunehmen«, war dann auch das Resümee am Ende der Veranstaltung.

Kerstin Kählig, Bernhard Köppel

Bildquelle: ©Psychosoziale Beratungsstelle Nürnberg


Kontakt:

Kerstin Kählig, Bernhard Köppel
Psychosoziale Beratungsstelle für Menschen mit Epilepsie
Ajtoschstr. 6
90459 Nürnberg
0911 393634214
epilepsie-beratung(at)rummelsberger.net
www.rummelsberger-diakonie.de/epilepsie