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Zuletzt die Hunde

Marita de Sterck

Oettinger Taschenbuch Verlag (Okt.2012)

ISBN 978-3841501257

256 Seiten, Buch €17,99 / e-book €12,99

Dezember 1917. Mitten im Krieg verlässt der behütete Notarssohn Victor das elterliche Haus in Mechelen (Belgien), um seinen Hund Django zu suchen. Die Außenwelt trifft ihn wie ein Schlag, und das nicht nur, weil er schon so lange nicht mehr draußen war. Die Welt gleicht einem Albtraum, denn der Krieg und vor allem der Hunger haben das ganze Land fest im Griff. Um zu überleben, essen die Menschen sogar Hunde. Victor ist fest entschlossen, Django zu retten und macht sich auf die Suche. Eigentlich keine große Sache, aber er hat Epilepsie und täglich mindestens einen Grand-mal …

 

Die belgische Autorin Marita de Sterck verknüpft in ihrer Geschichte die Reise des 17-jährigen Victor, der bis dato unter strengen, aber anfallstechnisch völlig nutzlosen Auflagen seine Kindheit fast ausschließlich zuhause verbrachte, mit den trostlosen und schrecklichen Zuständen, die während eines schon mehr als 1.243 Tagen andauernden Krieges herrschen.

 

Die Suche verändert Victor, er streift die engen Fesseln des Elternhauses ab und nichts wird mehr sein wie vorher. Unge-schönt, oft derb und unanständig entwirft die Autorin eine Kriegswelt voller Schrecken. Das Überleben hat oberste Priorität, Hunde taugen da als Braten, Nachbarn als Feinde und moralisches Verhalten ist längst nur noch ein Wort für viele. „War kills, that is all it does.“, so das treffende Zitat am Anfang des Buches aus Michael Walzers Roman „Just and Unjust Wars“.

 

Fazit: Keine leichte Jugendlektüre, aber ein lesenswerter Antikriegsroman, der auch ein Licht auf die in den Kinderschuhen steckende Epilepsie-Behandlung zu Anfang des 20. Jahrhunderts wirft. Sehr empfehlenswert!

 

Doris Wittig-Moßner, Nürnberg