Neues Epilepsiezentrum in NRW - Epikurier

Neues Epilepsiezentrum in NRW



Dr. Jörg Schmitt, Leitender Arzt der Epileptologie Unna und der prächirurgischen Diagnostik in Unna und Herdecke
PD Dr. Thomas Kral, Leitender Arzt der Klink für Neurochirurgie, Herdecke
Dr. Silvia Vieker, Oberärztin Neuropädiatrie, Epilepsieambulanz und prächirurgische Diagnostik für Kinder in Herdecke
Dr. Martin Kuthe, Oberarzt der Klink für Neurologie, Epilepsieambulanz für Erwachsene, Herdecke

 

EZRA - Epilepsiezentrum Ruhr für Anfallsfreiheit

Am 3. Juli 2010 fand im Dörthe-Krause-Institut des Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke die Eröffnungsveranstaltung des Epilepsie-Zentrums Ruhr für Anfallsfreiheit, kurz EZRA genannt, statt. EZRA ist eine Kooperation des Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke und des Evangelischen Krankenhaus Unna, so dass das neue Zentrum über zwei Ambulanzstandorte verfügt: Erwachsene können sowohl in Unna von Dr. Schmitt als auch in Herdecke von Dr. Kuthe betreut werden. Zusätzlich gibt es in Herdecke eine Ambulanz für Kinder (Dr. Meusers, Dr. Vieker) und in Unna eine Station für Menschen mit Behinderungen (Dr. Schmitt).

Beide Häuser bieten komplexe stationäre Diagnostik und Behandlung nach den Standards der Internationalen Liga gegen Epilepsie sowie prächirurgische Epilepsiediagnostik mit der Möglichkeit einer operativen Behandlung an. Die Zertifizierung des Epilepsiezentrums bei der Deutschen Gesellschaft für Epileptologie wird jetzt beantragt. EZRA wäre damit das dritte zertifizierte Epilepsiezentrum in NRW neben Münster und Bielefeld.

Ziel der Gründung ist die Vernetzung der vorhandenen Angebote und dadurch die Sicherstellung einer kompetenten, umfassenden Versorgung von epilepsiekranken Menschen vor Ort. Diesen Aspekt stellten der Stiftungsvorstand des EK Unna, Dr. Herberhold, und, stellvertretend für die Geschäftsführung des GK Herdecke, Dr. Meusers, Leitender Arzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie am GKH in ihrer Begrüßung in den Vordergrund.

Prof. Schulze-Bonhage, Leiter des Epilepsiezentrums Freiburg, beschrieb in seinem Vortrag wie ein solches Netzwerk in Freiburg aufgebaut wurde und welche Vorteile die Vernetzung der unterschiedlichen Angebote mit sich bringt. Freiburg arbeitet seit Jahren mit den Kliniken in Kehl-Kork, Heidelberg und jetzt auch in Kiel zusammen, eine Kooperation mit der Neurologischen Rehabilitationsklinik in Bad Krozingen sichert die notwendigen Maßnahmen nach einem stationären Aufenthalt. Das Epilepsiezentrum lebt durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit verschiedener Fachgruppen: Epileptologie, Neurologie, Psychiatrie, Neuroradiologie, Psychosomatik, Neurochirurgie, Neuropathologie, Nuklearmedizin….

Gestärkt wird solch ein Netzwerk z.B. durch den fachlichen Austausch in interdisziplinären Fallkonferenzen, zu denen auch die Kollegen aus Kiel anreisen. Netzwerke sorgen nicht nur für eine bessere Kommunikation, sondern ermöglichen auch die gemeinsame Nutzung unterschiedlicher Spezialkompetenzen und stellen die nötige fachliche Expertise bei komplexeren Fällen sicher.

Im weiteren Verlauf stellten sich die Ansprechpartner von EZRA mit Fachvorträgen vor: Dr. Schmitt, Leitender Arzt der Epileptologie Unna sprach über Therapien bei Temporallappenepilepsien, einer oft mit Medikamenten schwer, operativ aber deutlich besser zu behandelnden Epilepsieform, bei welcher der Patient auch heute noch regelmäßig zwei Jahrzehnte Lebenszeit verliert, bis er überhaupt mit der Frage nach einer Operationsmöglichkeit den Kontakt zu einem Zentrum findet. PD Dr. Kral, leitender Neurochirurg am GKH, stellte die heute zur Verfügung stehenden, verschiedenen operativen Möglichkeiten der Epilespiechirurgie vor. Dr. Vieker, Oberärztin der Neuropädiatrie Herdecke erläuterte anhand einiger Fallbeispiele, unter welchen Bedingungen ein Video-EEG-Monitoring bei Kindern sinnvoll und hilfreich ist, auch wenn nicht die Frage einer Operation zur Debatte steht.  Dr. Kuthe, Neurologe am GKH, sprach über die Möglichkeiten und Erfahrungen mit dem Vagusnervstimulator, der für Patienten geeignet ist, die mit Medikamenten nicht einstellbar sind und bei denen eine OP nicht in Frage kommt oder erfolglos geblieben ist. Prof. Noachtar, Epilepsiezentrum München, schloss den Reigen der Referenten mit einem Vortrag zur Frage: „Was ist nötig, um die operative Behandlungsmöglichkeit zu prüfen?“ Amüsant und eindeutig wies er anhand von Beispielen dabei auf die drei maßgeblichen Zutaten eines OP-Entscheidungsmenüs hin: ärztliche Kompetenz sowie fachlich hochqualifizierte EEG- und MRT-Durchführung und Auswertung.
Die flächendeckende Versorgung von Patienten mit komplexen Epilepsien im Ruhrgebiet ist mit der Gründung von EZRA einen großen Schritt vorangekommen.

Susanne Fey,
Wuppertal