Epilepsien eine pädagogische Herausforderung für jede Schule !? - Epikurier

Epilepsien eine pädagogische Herausforderung für jede Schule !?

Es begann mit einem Dachbodengespräch, zu dem Herr Freller 1997 die Leiter der örtlichen Selbsthilfegruppen, damals als noch ganz "einfacher" Landtagsabgeordneter der CSU, eingeladen hatte. Bei Frellerschen Dachbodengesprächen ist in der Vergangenheit schon vieles bewegt worden, so auch diesmal.

Dass es Kinder und Jugendliche mit Epilepsien so viel schwerer haben können in der Schule und dass es mehr als 35 000 Schülerinnen und Schüler in Bayern sind, hat einen solchen Eindruck hinterlassen, dass Herr Freller einen Landtagsbeschluss herbeiführte, durch den sichergestellt wurde, dass "Informationen über den Umgang mit diesen Kindern und deren Familien in alle pädagogischen Ausbildungs- und Fortbildungsbereiche eingehen." Dabei wurden im Detail alle dazu wichtigen Einzelheiten festgelegt.

Unter anderem wurde auch die Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung in Dillingen an der Donau beauftragt, sich mit "Epilepsien" auseinander zu setzen. Ein einwöchiger Lehrgang unter der Leitung von Renate Windisch hatte erstmals Epilepsie zum Thema: "Epilepsie - für Minuten behindert?"

Aus diesem Teilnehmerkreis fand sich ein bemerkenswertes und außergewöhnliches Redaktionsteam zusammen, das den Auftrag erhielt, einen Akademiebericht zu verfassen. Dem Team gehörten an Vertreter der Grund- und Hauptschule, der Diagnose- und Förderklassen, der sonderpädagogischen Förderzentren, der Schule für Körperbehinderte und der Schule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung, der Realschule, der Schulpsychologie, der Schulaufsicht und natürlich der Akademie. Was das "Außergewöhnliche" dieses Teams ausmachte, war die Tatsache, dass hier die Fachlichkeit von Barbara Lillge als einer betroffenen Mutter, die Erfahrungen jahrzehntelanger Selbsthilfearbeit von Renate Windisch und die persönliche Betroffenheit einiger Redaktionsmitglieder zusammenkamen, jeder aus seinem persönlichen Blickwinkel das Thema anging, damit viel Farbe ins Spiel brachte. Der Stil der Zusammenarbeit, aber auch die Auswahl der Schwerpunkte waren dadurch sichtlich geprägt. Nun ist dieses "Lehrerpaket" fertig, Titel: "Epilepsien - eine Herausforderung für jede Schule !?" An den Anfang dieses Pakets sind Begegnungen und Fragestellungen aus dem Schulalltag gestellt, die eine Lehrkraft betroffen und neugierig zugleich machen wollen. Es folgen kurz die wichtigsten medizinischen Grundlagen.

Zentrale Fragestellung ist dann: "Wie werde ich als Lehrkraft dem epilepsiekranken Kind und Jugendlichen gerecht?" - im Lern- und Leistungsverhalten, in Schule und Unterricht, in der Zusammenarbeit mit Eltern und Fachleuten, auf dem Weg in den Beruf und das Erwachsenwerden. Rechtliche Fragen und die Zusammenarbeit mit Schulleitung und Schulaufsicht sind ebenfalls Thema.

Mit einem persönlichen Fragebogen, mit Hilfen zur Anfallsbeobachtung und Anfallsdokumentation und einem Leitfaden für Elterngespräche werden der Lehrkraft sehr durchdachte Unterlagen für die schwierigen und fachspezifischen Fragen des schulischen Alltags mit einem epilepsiekranken Kind in die Hand gegeben.

Lehrplanbezüge der verschiedenen Schularten zeigen, wo Epilepsie auch im Lehrplan der eigenen Klasse ihren Platz finden kann.

Die schulisch sehr heißen Themen Sport, Teilnahme an Unterrichtsgängen, Schullandheimaufenthalten und Klassenfahrten werden explizit abgehandelt.

Der auch für nicht epilepsiekranke Schülerinnen und Schüler immer relevante Dauerbrenner Gameboy, Computerspiele und Fernsehen ist unter dem krankheitsbedingten Aspekt angesprochen.

Eine Besonderheit ist die bunte Materialkiste im Anhang. Hier sind tausend Ideen verpackt, Epilepsien im Unterricht interessant zu gestalten. Erfahrungsberichte, Bilder und Gedichte betroffener Menschen, eine kleine Kulturgeschichte aus dem Blickwinkel der Epilepsie, ihre Rolle in der Bibel, in Literatur , Kunst und Film, typische Fragen aus dem Internet ebenso wie Karikaturen laden ein, sich im Unterricht damit zu beschäftigen, Projekttage zu gestalten, Ausdrucksformen im Kunst- und Musikunterricht zu finden.

Eine kommentierte Literaturliste, die verfügbaren Filme und ein Wegweiser zu den wichtigsten Adressen vervollständigen das Paket.

Es hat dem Redaktionsteam viel Spaß gemacht, das Thema Epilepsie auch einmal unkonventionell anzugehen, Materialien zusammenzutragen für abwechslungsreiche Unterrichtsstunden und interessante Projekte, natürlich in erster Linie zum Wohle der betroffenen Kinder und Jugendlichen und ihrer Familien, ebenso aber auch für die etwas außergewöhnlichen Lehrkräfte, die den Mut haben etwas Neues zu wagen. Wer komponiert wohl den "Epi-Rag"?

Renate Windisch
Landesverband Epilepsie Bayern