Neue Epilepsie-Monitoring-Station am Uniklinikum Jena eröffnet - Epikurier

Neue Epilepsie-Monitoring-Station am Uniklinikum Jena eröffnet

Moderne Anlage in der Klinik für Neurologie verbessert diagnostisches und therapeutisches Angebot für Kinder und Erwachsene

Eine hochmoderne Video-Überwachungsstation für Epilepsiepatienten ist jetzt an der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Jena eröffnet worden. Die gemeinsam mit der Klinik für Neuropädiatrie genutzte Einrichtung bietet jetzt alle Möglichkeiten der Diagnostik und Differenzialdiagnostik von Patienten mit Epilepsie und durch enge interdisziplinäre Kooperation mit der Klinik für Neurochirurgie kann hiermit auch das Therapiespektrum bis hin zu einer operativen Behandlung erweitert werden.

Foto: Video-ÜberwachungsstationDie technisch aufwändige Anlage ermöglicht das gleichzeitige lückenlose Video-Monitoring von bis zu vier Patienten, mit paralleler Aufzeichnung der Hirnaktivität im EEG. Die genaue Analyse der Hirnaktivität vor und während eines Anfalls ist sehr wichtig, um einerseits die Diagnose "Epilepsie" zu sichern oder auszuschließen und andererseits Informationen zu erhalten, in welchem Hirnareal die Anfallsaktivität ausgelöst wird. Nur wenn eindeutig ein einzelnes Areal als Ursprung der epileptischen Aktivität identifiziert wird, können prinzipiell operative Maßnahmen in Erwägung gezogen werden. "Epilepsie ist mit Medikamenten zwar behandelbar, aber nicht heilbar", erklärt Prof. Otto Witte, Direktor der Jenaer Uni-Klinik für Neurologie. "Eine Heilung, also dauerhafte Anfallsfreiheit, kann nur durch einen Epilepsiechirurgischen Eingriff erreicht werden." Die möglichst frühzeitige Klärung, ob ein Pat. für eine Operation in Frage kommt, ist eine der zentralen Aufgaben der Teams um Prof. Ulrich Brandl, Leiter der Abt. Neuropädiatrie und Priv.-Doz. Dr. Georg Hagemann, Oberarzt der Klinik für Neurologie.

Um die für die Patienten sehr belastende Situation des Monitorings zu erleichtern, wurde in Jena großen Wert auf eine angenehme Atmosphäre der Räumlichkeiten mit sehr dezent installierter Technik gelegt. Die Monitoring-Anlage erlaubt es den Patienten, soweit dies der Gesundheitszustand zuläßt, den Aufenthaltsort zwischen Eßbereich und Zimmer frei zu wählen, so dass nicht unbedingte Bettruhe einzuhalten ist. Dies macht die oft sehr lange Zeit, in der auf Anfälle "gewartet" wird deutlich erträglicher. Bald soll die Anlage noch durch ein Funknetz (W-LAN) ergänzt werden, so dass die EEG-Übertragung weitgehend kabellos erfolgen kann. Die hierdurch geschaffene Mobilität ist insbesondere für Kinder ein weiterer Vorteil. Diese können selbstverständlich mit Elternteil oder Bezugsperson aufgenommen werden, die dann in benachbarten Betten übernachten können.

Die langjährig an der FSU-Jena etablierten Schwerpunkte und Erfahrungen in der Diagnostik und Therapie von Kindern und Erwachsenen mit Epilepsien können durch die jetzt eröffnete Einrichtung sinnvoll ausgebaut werden und ermöglichen jetzt eine optimierte Diagnostik und Therapie bis hin zur Operation. Es ist sinnvoll möglichst früh zu entscheiden, ob eine operable Ursache der Epilepsie zu Grunde liegt, da durch zu langes Abwarten sonst Jahre verschenkt werden, die durch Anfälle und die Einnahme von Medikamenten zu einer deutlichen Einschränkung der Lebensqualiltät der Betroffenen führen. Daneben kann es hierdurch auch zu einer kontiniuerlichen Beeinträchtigung von kognitiven, Gedächtnis und Konzentrationsleistungen kommen, die nicht mehr rückgängig zu machen sind.

In Jena können jetzt auch invasive diagnostische Verfahren eingesetzt werden, um den Ursprung der epileptischen Aktivität zu erkennen:

So kann es notwendig werden, dass man mit operativ eingebrachten Elektroden die Hirnaktivität direkt von der Gehirnoberfläche oder aus dem Gehirn misst, wenn das oberflächliche EEG nicht ausreichend Informationen ergibt. Diese vorbereitenden Operationen, wie auch der Epilepsiechirurgische Eingriff selbst erfolgen dann in der Klinik für Neurochirurgie.

Invasive und nicht-invasive Untersuchungen helfen aber auch, um wichtige Funktionsbereiche des Gehirns, wie zum Beispiel die Sprachfunktion in der Nachbarschaft des Operationsgebietes frühzeitig zu lokalisieren und beraten zu können, ob und mit welchen Funktionsstörungen nach der Operation zu rechnen ist. Durch eine exzellent ausgerüstete Abteilung für Neuroradiologie sind hier strukturelle und funktionelle Untersuchungen mit der Magnetresonanztomographie, Magnetenzephalographische Untersuchungen und ein WADA-Test möglich. Daneben besteht in Jena auch die Möglichkeit den Stoffwechsel und die Durchblutung während eines Anfalls mit nuklearmedizinischen Techniken zu untersuchen. Ziel ist es, alle diese Ergebnisse zunächst zusammen zu tragen und in einem Expertenteam zu beraten, damit der evtl. folgende neurochirurgische Eingriff optimal vorbereitet werden kann.

Das Team in Jena hofft hiermit eine regionale Versorgungslücke zu schließen und den Patienten mit Epilepsie eine heimatnahe umfassende Diagnostik und Therapie anbieten zu können.

Ansprechpartner:
Kinder
Prof. Dr. med. U. Brandl
Leiter der Abt. Neuropädiatrie
Klinik für Kinder- und Jugendmedizin
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Kochstrasse 2
07743 Jena Tel.
03641-38415
E-mail: Öffnet ein Fenster zum Versenden einer E-Mailu.brandl(at)med.uni-jena.de


Erwachsene
Priv.-Doz. Dr. med. G. Hagemann
Oberarzt der Klinik für Neurologie
Hans-Berger-Kliniken
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Erlanger Alle 101
07747 Jena
Tel. 03641-9323421
E-mail: Öffnet ein Fenster zum Versenden einer E-Mailhagemann(at)med.uni-jena.de


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