Oliver Sacks, geboren in London und tätig in den USA, ist Schriftsteller und Neurologe.
Berühmt geworden ist er in den 1990er Jahren durch seine Fallgeschichten, u. a. "Zeit des Erwachens" oder "Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte". Mit Feingefühl, einer außerordentlichen Beobachtungsgabe und einem umfassenden Wissen als Mensch und als Arzt verwandelt er neurologische "Fälle" in anrührende Patientengeschichten.
So auch in seinem Buch "Der einarmige Pianist - Über Musik und das Gehirn".
In 29 Kapiteln erzählt der inzwischen 77-Jährige von den Besonderheiten und Wechselwirkungen von Musik und dem menschlichen Gehirn. Es sind Fallgeschichten teils langjähriger Patienten, in denen Oliver Sacks Wissenschaft mit dem Menschsein verbindet. So schreibt er Geschichten über den Arzt, der vom Blitz getroffen überlebt und danach besessen wird von klassischer Musik, über musikalische Krampfanfälle, über die Furcht vor Musik und musikogener Epilepsie, über den Vater, der sich "in G-Dur" schnäuzt.
Der deutsche Titel des Buches "Der einarmige Pianist" geht zurück auf Paul Wittgenstein, einen berühmten Konzertpianisten seiner Zeit, der im 1. Weltkrieg seinen rechten Arm verlor. Maurice Ravel, Paul Hindemith und Benjamin Britten widmeten ihm eigens Konzerte für die linke Hand.
Das Buch ist unterhaltsam zu lesen. Schwierige wissenschaftliche Zusammenhänge werden in Fußnoten erklärt. Einige medizinische Fachausdrücke sind dennoch in den Text hineingerutscht - der interessierte Leser wird sich zu helfen wissen.
Renate Windisch, Schwanstetten