Die bekannte New Yorker Schriftstellerin Siri Hustvedt hält fast drei Jahre nach dem Tod ihres Vaters, eines Universitätsprofessors, eine Gedenkrede auf ihn an seiner alten Wirkungsstätte. Mitten in ihrer Ansprache befällt sie ein unkontrollierbares Zittern. Kurz darauf, bei einem Vortrag über ihre Schreibkurse für psychisch Kranke, wiederholt sich das Ereignis.
Weder Mediziner noch Psychologen kommen zu einer aussagekräftigen Diagnose – keine Erkrankung (darunter auch Epilepsie) will so richtig „passen“. Und so macht sich die Autorin selbst auf die Suche nach Antworten, erforscht die Zusammenhänge bzw. das Wechselspiel zwischen Geist, Psyche und Körper und stellt fest, dass es klare Gesetze von Ursache und Wirkung hier oft nicht gibt.
Die zitternde Frau erzählt eine Doppelgeschichte: Zum einen die der verschlungenen Erkenntnissuche Siri Hustvedts bezüglich der eigenen Erkrankung, zum anderen die der großen Fragen, die sich der Neuropsychiatrie heute stellen.
Ein interessantes und kluges, manchmal aber auch sehr fachspezifisches Dokument einer Suche nach dem, was uns im Innersten zusammenhält.
Doris Wittig-Moßner, Nürnberg