Oliver Sacks, Professor für Neurologie und Psychiatrie an der Columbia University, hat schon zahlreiche Bücher über Menschen mit neurologischen Problemen geschrieben. Immer wieder schafft er es, die Welt der Betroffenen einfühlsam und nachvollziehbar darzustellen. Sein neues Buch, das im Englischen schlicht „Hallucinations" heißt und in der deutschen Version etwas reißerischer „Drachen, Doppelgänger und Dämonen“, beschäftigt sich mit den unterschiedlichen Krankheitsbildern, die mit Halluzinationen einhergehen, aber auch damit, wie durch Reizentzug oder Drogen Halluzinationen erzeugt werden können.
Dabei schlägt Sacks den Bogen von frühen Berichten bis in die heutige Zeit. Ein Kapitel hat er komplett dem Thema Halluzinationen bei Epilepsie gewidmet, in dem er neben eigenen Patienten auch auf die Epilepsie des Schriftstellers Dostojewski und der Johanna von Orleans eingeht. Er schildert außerkörperliche Erfahrungen, religiöse Ekstase, visuelle, auditive, sensorische, z. T. sehr komplexe Halluzinationen, über die seine Patienten und die seiner Kollegen berichtet haben. Dabei stellt er immer wieder den Bezug zu den Krankheitsbildern, den körperlichen Besonderheiten wie z. B. einem Tumor im Temporallappen her.
Sprachlich ist das Buch an manchen Stellen nur mit medizinischen Kenntnissen oder Google lesbar, auch die vielen, wie üblich bei Sacks ziemlich langen Fußnoten, hemmen etwas den Lesefluss.
Nichtsdestotrotz ist es ein spannender, interessanter Ausflug in die Welt der Halluzinationen und durchaus lesenswert, für diejenigen, die sich für Neurologie interessieren.
Susanne Fey, Wuppertal