In Deutschland leben ca. 8 Millionen. Menschen mit einer Behinderung. Die meisten von ihnen haben Geschwister. Das heißt dass es wohl mehrere Millionen Geschwister behinderter Menschen gibt. Geschwisterbindungen reichen in die ersten Tage der Kindheit zurück und bestehen oft bis ins hohe Alter.
Der Autor geht in seinem Buch der Frage nach: Was bedeutet es für Kinder mit einen behinderten Bruder oder einer behinderten Schwester aufzuwachsen. Erleben sie eine Diskriminierung in der Öffentlichkeit, empfinden sie ein Zurücksetzen in der Familie, wie gehen ihre Freunde damit um? Er lässt Kinder und Jugendliche zu Wort kommen und sie erklären so selbstbewusst wie eindringlich ihre besondere Situation. Der Leser kann erspüren wie prägend der Einfluss auf die eigene Biografie ist, den diese Situation mit sich bringt. Als betroffene Mutter haben mich die Stimmen dieser Kinder sehr nachdenklich gestimmt.
In diesem Buch findet der Leser neben wichtiger sachlicher Information auch ganz praktische Tipps. Herr Grünzinger macht uns Eltern aufmerksam auf Signale der Geschwisterkinder, Signale die es zu beachten gilt um den Bedarf des gesunden Kindes zu erkennen und ihm nachzukommen. Wohltuend ist dabei, dass dies ohne erhobenen „pädagogischen Zeigefinger“ geschieht, sondern mit geschulter Aufmerksamkeit und Wertschätzung Eltern und Kinder gegenüber. Hier spiegelt sich die Erfahrung des Autors aus seiner langjährigen Tätigkeit mit Geschwisterkindern, in der Familienberatungsstelle des VdK .
Den Kindern zeigt er mit großer Sensibilität wie sie sich z. B. abgrenzen können, wie und wo sie Hilfe erfahren, wie sie mit Schuldgefühlen umgehen, wie sie ihre Situation gestalten können, ihre eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen und anzunehmen.
Wie auf dem Umschlag zu lesen ist, ist dieses Buch als ein Ratgeber für alle Betroffenen in der Familie gedacht: Die Seiten für die Eltern sind farblich anders gestaltet als die für die Kinder, aber beide sollten neugierig auf die Zeilen des anderen schauen. Es ist ein sehr ansprechendes Buch, viele Fotographien begleiten den Leser, sie lockern die Thematik auf und machen zugleich neugierig.
Ich habe aus diesem Buch viel gelernt und würde mir wünschen dass es viele betroffene Eltern wie auch Kinder lesen, und es dann weiter empfehlen.