Die Epilepsie nimmt unter allen Krankheiten des Menschen eine besondere Stellung ein.
Für den Beobachter eines Anfalls stellt der totale Kontrollverlust des Betroffenen ein äußerst eindrückliches wie auch unheimliches und bedrohliches Ereignis dar. Das sich seit Jahrhunderten viele Autoren der Epilepsie bedienen, liegt nahe. Oft als Symbol der Besessenheit, übersinnliche Kräfte, Visionen oder als Entschuldigung für unkonventionelles oder gar kriminelles Verhalten. Für den Leser ist es oft schwer zu unterscheiden zwischen literarischer Fiktion, gesellschaftlicher Deutung und letztendlich medizinischer Wirklichkeit.
Der Wandel des gesellschaftlichen Ansehens dieser Krankheit ist hier sehr gut veranschaulicht. Von der Antike bis ins Mittelalter trägt der Anfallkranke das Gesicht des Sehers, des Propheten - Epilepsie ist eine heilige Krankheit. Im späten Mittelalter wird der Epilepsiekranke als Besessener, Gestrafter, als Sünder dargestellt. In der Gegenwartsliteratur begegnen wir ihm als „ normales“ Mitglied der Gesellschaft. Dieses Buch ist ein Streifzug durch die Literaturgeschichte der Epilepsie. Eine umfangreiche Anthologie erwartet den Leser. Dies ist kein Fachbuch, kein Sachbuch sondern ein Lesebuch schreiben die Autoren - sie haben Recht. Autoren von der Antike bis zur Gegenwart werden mit ihren literarischen - Werk vorgestellt, ob Dickens, Dostojewski, Shakespeare, Werfel, Platon, Eco, Mann, nur um wenige zu nennen. Jeweils wird kurz die Geschichte zusammengefasst und dann die Sequenz des dargestellten Anfalls wiedergegeben.
Den Autoren ein großes Lob. Dies ist ein spannendes und sehr empfehlenswertes Buch, nicht nur, aber besonders für jeden Literaturfreund.