Markus Schneider, Schweizer Journalist und Verleger, braucht eine neue Aortenklappe. Eine Routine-OP. Er entscheidet sich für das Titanmodell, da eine organische Klappe nur etwa 10 bis 15 Jahre halten würde. Doch die künstliche Klappe macht eine Blutverdünnung notwendig. Das Risiko eines Hirnschlags beträgt weniger als 1%. Aber dieses geringe Risiko geht Markus Schneider ein. Und es trifft ihn 200%. Erst ein Blutgerinnsel, das ein Gefäß verstopft, danach eine lebensbedrohliche Hirnblutung. Not-Operation. Er bekommt epileptische Anfälle, wird mehrere Wochen ins künstliche Koma versetzt, niemand weiß, welche Schäden zurückbleiben werden. Und Markus Schneider kämpft sich ins Leben zurück, nicht verbissen, sondern mit feinem, leisem Humor und unendlich viel Energie. Langsam taucht er aus seiner Welt auf, in der er mit Nashörnern eine Bootsfahrt macht und neben einem Vanille-Eis-Tiger im Flugzeug sitzt. Er beschreibt seine verschiedenen Therapien, wie er lernt mit seiner Hemianopsie (Gesichtsfeldausfall) umzugehen, wie er vom Bett über den Rollstuhl wieder laufen lernt und wie unangenehm es für ihn ist, so auf Hilfe angewiesen zu sein. Er gibt seinen Kindern Tipps, wie sie ihn auf jeden Fall im Schach besiegen können, denn länger als 10 Minuten kann er sich nicht konzentrieren. Er beschreibt, wie anstrengend sein erster Versuch mit dem Fernseher ist und welche Nebenwirkungen seine antiepileptische Therapie hat. Aber Markus Schneider schreibt nicht jammernd und klagend, welch schreckliches Schicksal ihn getroffen hat. Er nimmt sich selber auf die Schippe, freut sich darüber, dass er dem Arzt mit Hauptstadt von Mazedonien zeigen kann, dass er geistig voll da ist. In jeder Seite dieses Buches kommt seine Lebenslust zum Ausdruck. Und das Aufgehobensein in einer liebevollen Partnerschaft, Familie und Freunde unterstützen Schneider bei seinem Weg zurück ins Leben.
Ein wenig erinnert mich das Buch an Jean-Dominique Baubys „Schmetterling und Taucherglocke“ oder Piet Kuipers „Seelenfinsternis“, beides Bücher, in denen intelligente, erfolgreiche Männer über ihre schweren Erkrankungen berichten, aber dabei immer auch eine angenehme Distanz zu diesen Schicksalsschlägen bewahren, dem Leser zwar ihre Welt nahebringen, ihn mitfühlen lassen, aber nicht in einen Strudel von Verzweiflung mitreißen.
Markus Schneiders Grimassenherz ist ein anrührendes, Mut machendes, auch mal augenzwinkerndes Buch, das man wirklich lesen sollte.
Susanne Fey, epilepsie bundes-elternverband