Aufbewahrung von Medikamenten

Wie werden Medikamente richtig gelagert? Darf man diese auch nach Ablauf der Haltbarkeitsfrist einnehmen? Gibt es besondere Hinweise bei der Aufbewahrung von Bedarfs- bzw. Notfallmedikation?

Diese und andere Fragen haben wir Susanne Fleischmann gestellt. Sie ist Apothekerin in der Wallenstein Apotheke Altdorf bei Nürnberg, Mitglied im Vorstand des Bayerischen Apothekerverbands (BAV e.V.), Delegierte der Bayerischen Landesapothekerkammer (BLAK), Prüferin für Pharmazeutisch-kaufmännische Angestellte (PKA) und Pharmazeutisch-technische Assistenten (PTA).

PERSÖNLICHES

Warum sind Sie Apothekerin geworden?

Medizin war mir zu »blutig«, also bin ich bei der Pharmazie gelandet und habe diese Wahl nie bereut.

Was mögen Sie besonders an Ihrem Beruf?

Wir sind Problemlöser und häufig erster Ansprechpartner in allen Gesundheitsfragen. Ich verstehe uns auch als Lotsen im Gesundheitssystem und niederschwellige Anlaufstelle, die (noch) flächendeckend und vor allem auch rund um die Uhr erreichbar ist.

Welche negativen Entwicklungen im Gesundheitsbereich beschäftigen Sie am meisten?

Die Schließung vieler Vor-Ort-Apotheken macht mir Sorge – zumal es nicht nur kleine ländliche Apotheken sind, sondern auch größere in der Stadt. Das bereitet mir etwas Bauchweh, da besteht dringend Handlungsbedarf seitens der Politik.

MEDIKAMENTE GENERELL

Wie sollten Medikamente am besten aufbewahrt werden?

Alle Medikamente sollten am besten in der Originalverpackung an einem möglichst kühlen Ort (also nicht in Küche oder Bad) aufbewahrt werden. Bei sogenannten halbfesten oder flüssigen Arzneiformen sollte man auch das Öffnungsdatum vermerken, da sich die Haltbarkeit nach Anbruch häufig verkürzt.

Wenn die Haltbarkeitsfrist abgelaufen ist, muss ich Medikamente sofort entsorgen oder sind diese doch noch einige Zeit einnehmbar?

Alle Arzneimittel haben ein Verfalldatum, kein Mindesthaltbarkeitsdatum. Dieses sollte nicht überschritten werden, da der Hersteller nur bis zu diesem Datum für die Wirksamkeit und Unbedenklichkeit der Anwendung garantiert. Allerdings bedeutet ein Verfalldatum 12/25, dass das Medikament bis zum 31.12.2025 problemlos eingenommen werden kann. Davon ausgenommen sind Arzneimittel mit einem konkreten Datum (wie z. B. 15.12.2025) oder falls deren Anwendung nach Anbruch eingeschränkt ist. Wenn auf der Packung steht »nach Anbruch 4 Wochen verwendbar« und Sie öffnen das Behältnis am 01.02.2025, dann sollten Sie es am 01.03.2025 entsorgen – egal, wie viel noch enthalten ist.

Wie lange dürfen Medikamente »offen«, d. h. nicht mehr im Blister, aufbewahrt werden?

Das hängt davon ab, wie licht- und/oder feuchtigkeitsempfindlich der Arzneistoff ist. Am besten sollten alle Tabletten nicht lose aufbewahrt werden, da erhebliche Verwechslungsgefahr besteht und es so zu Fehl- und/oder Überdosierungen kommen kann. Es gibt viele Tabletten, die die gleiche Form und Farbe haben und deshalb leicht vertauscht werden können.

Wenn man eine sogenannte »Dosette« nutzt, in der man die Tabletten für eine Woche im Voraus vorbereitet, sehe ich (von wenigen Wirkstoffen abgesehen) keine Probleme, die Tabletten darin ohne Verpackung zu lagern. Eine solche Tablettenbox sollte wie generell alle Arzneimittel an einem licht- und wärmegeschützten Ort aufbewahrt werden.

Arzneimittel sollten vor dem Zugriff Unbefugter geschützt gelagert werden, vor allem da kleine bunte Pillen gerade für kleinere Kinder sehr interessant sein können. Fragen Sie in Ihrer Apotheke nach, ob Ihre Medikamente auf keinen Fall »ausgeblistert« werden sollten, wie es z. B. bei Schmelztabletten oder lichtempfindlichen Wirkstoffen der Fall ist. Dazu zählen manche Antibiotika, manche Wirkstoffe gegen Bluthochdruck und manche Vitamine.

MEDIKAMENTE BEI EPILEPSIE

Gibt es spezielle Hinweise für Anfallssuppressiva oder entspricht dies den allgemeinen Empfehlungen?

Der Patient sollte seine Anfallssuppressiva immer gut vorrätig haben, am besten in der Originalverpackung aufbewahren und, wenn möglich, auch einen aktuellen Medikationsplan parat haben mit Angaben, was im Bedarfsfall wie eingenommen werden soll.

Stichwort Bedarfs- bzw. Notfallmedikation: Diese Mittel werden oft von Betroffenen oder von deren Begleitpersonen mit sich getragen, um im Notfall schnell zur Hand zur sein. Kann dies bei heißen oder kalten Temperaturen ein Problem darstellen?

Sowohl Minustemperaturen als auch Hitze sind für Arzneimittel problematisch. Kälte/Frost kann Wirkstoffe zerstören, so dass sie nicht mehr wirksam sind. Das gilt auch für die Lagerung im Kühlschrank, sollten die Packungen an der Wand festfrieren. Die meisten Arzneimittel werden so hergestellt, dass sie Temperaturen bis 25 Grad aushalten bzw. bis zu dieser Temperatur stabil sind. Als Hitzeschutz (und im Winter als Kälteschutz) empfehle ich, die Arzneimittel in Kühltaschen aufzubewahren, allerdings ohne zusätzlichen Kühlakku, weil ein direkter Kontakt mit dem Kühlakku auch dem Medikament schaden kann.

ZU GUTER LETZT

Gibt es etwas, was Sie Patienten mit einer chronischen Erkrankung wie Epilepsie ans Herz legen möchten?

Seit der Corona-Pandemie kommt es immer wieder zu Lieferengpässen bei Arzneimitteln. Dabei sind nicht nur »exotische« Medikamente betroffen, sondern auch »normale« Arzneimittel wie Blutdruckmittel, Antibiotika oder Ähnliches.

Da gerade auch Wirkstoffe zur Behandlung von Epilepsien eine sogenannte geringe therapeutische Breite haben und Präparate von verschiedenen Herstellern sich in der Wirksamkeit unterscheiden können, ist es wichtig, sich rechtzeitig um Nachschub zu kümmern.

Ich sage meinen Patienten immer »Bitte kümmern Sie sich spätestens um Nachschub, wenn Sie den vorletzten Blister aus der Packung nehmen«. Erstens haben wir dann etwas mehr Luft, falls wir uns um eine Alternative bemühen müssen. Wir werden zwar mehrmals am Tag und auch von mehreren Lieferanten beliefert, aber wenn die Tabletten alle sind und wir ggf. direkt beim Hersteller oder bei einem Großhändler, der etwas weiter weg ist, bestellen müssen, dann dauert das halt. Und zweitens verschwinden Lieferengpässe leider nicht von einem Tag auf den anderen.

Ich vergleiche es manchmal mit dem Kuchenbacken. Ich brauche für meinen Kuchen alle Zutaten in der richtigen Menge und richtigen Qualität und auch ohne Backform tue ich mich schwer, den Kuchen zu backen. Ebenso müssen bei der Arzneimittelproduktion viele Rädchen ineinandergreifen, um gut lieferfähig zu sein.

Interview zusammengefasst
von Doris Wittig-Moßner