Non-Adhärenz

Medikamente regelmäßig einzunehmen, ist schwer

Wie groß ist die Non-Adhärenz in der Epilepsiebehandlung und welche Faktoren spielen dabei eine Rolle?

Jeder, der schon einmal Medikamente regelmäßig einnehmen musste – und sei es nur Antibiotika über ein bis zwei Wochen –, kennt das Problem. Immer wieder vergisst man die ein oder andere Tablette. Dieses Phänomen ist weit verbreitet und wird im Medizinischen Non-Adhärenz genannt.

Es ist also auch in der Epileptologie nicht die Frage, ob eine Non-Adhärenz auftritt, sondern wie häufig diese vorkommt und was man dagegen tun kann.

Untersuchungen in Deutschland belegen, dass ca. ein Drittel der Betroffenen mit Epilepsie ihre Medikation nicht immer regelmäßig einnimmt. Ähnliche Zahlen werden auch von anderen chronischen Erkrankungen wie zum Beispiel Depressionen, Diabetes oder Bluthochdruck berichtet.

Aber welche Faktoren sind es nun, die in der Epileptologie einer Non-Adhärenz Vorschub leisten? Auch hier existieren einige Beobachtungen. So sind zum Beispiel Betroffene, die Hilfe haben beim Umgang mit ihren Tabletten, »folgsamer« als andere. Die Verträglichkeit scheint eine Rolle zu spielen. Wird ein Präparat schlecht toleriert oder führt es gar selber zu Vergesslichkeit, ist leicht vorstellbar, dass dieses weniger regelmäßig eingenommen wird. So lässt sich wahrscheinlich auch erklären, dass besser verträgliche, neuere anfallssuppressive Medikamente eine höhere Adhärenz aufweisen als die älteren, die oft schlechter vertragen werden. Allerdings kann dies im Einzelfall natürlich auch genau andersherum sein.

Daneben ist seit langem bekannt, dass Tabletten umso unregelmäßiger eingenommen werden, je häufiger am Tag die Einnahmezeitpunkte gewählt werden. So ist eine Einmalgabe deutlich besser umzusetzen als eine Einnahme dreimal am Tag.

Die Adhärenz wird auch dadurch unterstützt, dass immer dasselbe Präparat verschrieben und eingenommen wird. Aus den USA sind Studien bekannt, die aufzeigen, dass die Therapietreue bereits sinkt, wenn sich die Form oder die Farbe der Tablette ändert. Dies mag vor allem bei älteren Betroffen eine Rolle spielen, die häufig viele verschiedene Medikamente gleichzeitig einnehmen müssen. Ändert sich dann bei einer Tablette das gewohnte »Design«, kann dies zu Einnahmefehlern führen. Dieser Umstand ist ein guter Grund für die Forderung, dass – wenn irgend möglich – immer das Medikament desselben Herstellers verschrieben werden sollte. Und dieser Umstand macht es auch verständlich, warum gerade in der Epileptologie Lieferengpässe von anfallssuppressiven Medikamenten mitunter gravierende negative Folgen haben können, wenn es aus diesem Grund gezwungenermaßen zu einem Präparate-Wechsel kommt.

Fragt man Menschen mit Epilepsie, warum sie ihre Tabletten bisweilen nicht regelmäßig einnehmen, drehen sich die Antworten aber nicht nur um das Vergessen oder Verwechseln von Einnahmezeitpunkten. Bei einigen Betroffenen kommen auch immer wieder Zweifel auf, ob die Medikamente wirklich einen Nutzen haben, gerade wenn die Anfälle noch nicht vollständig kontrolliert sind. Andere, die bereits seit einer längeren Zeit unter der Medikation anfallsfrei sind, überlegen, ob sie diese überhaupt noch brauchen. Aber auch Begleiterkrankungen wie Depressionen können die Adhärenz einschränken.

Was kann man jetzt dagegen tun, dass Tabletten immer wieder unregelmäßig eingenommen werden? Zuallererst glaube ich, dass zwischen Arzt und Patient Ehrlichkeit herrschen sollte. Es ist wohl eher die Frage, wie häufig Medikamente »vergessen« werden als die Frage, ob sie überhaupt vergessen werden. Dann scheint mir wichtig, dass sowohl Behandler als auch Betroffener davon überzeugt sind, dass die Medikation so wie verschrieben eingenommen werden sollte. Hier können immer wieder klärende Gespräche sinnvoll sein.

Natürlich sind auch externe Merkhilfen von Nutzen. Dies kann von einer Medikamentenbox, die für ein oder zwei Wochen im Voraus gerichtet wird, über ein kleines Tablettendöschen, das immer mitgeführt wird, bis hin zu einer Handy-App reichen. Auch ist es häufig sinnvoll, die Einnahme an tägliche Routinen zu binden, wie zum Beispiel das Zähneputzen oder der Tee bzw. Kaffee am Morgen.

Fazit:

Zusammenfassend spielt die sogenannte Non-Adhärenz auch in der Epileptologie eine relevante Rolle. Schätzungen gehen dahin, dass ca. ein Drittel der Betroffenen aus verschieden Gründen immer wieder die anfallssuppressive Medikation nicht regelmäßig einnimmt. Dies kann gravierende Folgen haben. Wichtig ist, dass in der Behandlungssituation dahingegen Ehrlichkeit vorherrscht und individuelle Maßnahmen ergriffen werden, um die Adhärenz dauerhaft möglichst hochzuhalten.

Hajo Hamer

Kontakt:

Prof. Dr. Hajo Hamer, MHBA
Sprecher Epilepsiezentrum
Universitätsklinikum Erlangen

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