Sexualität - Verhütung - Kinderwunsch

Die Zeit der Pubertät und des Erwachsenwerdens ist auch mit großen Veränderungen im Hormonhaushalt verbunden, erste sexuelle Erfahrungen spielen auch für junge Menschen mit Epilepsie eine große Rolle.

Eine Epilepsie kann in drei Bereichen Einfluss auf die Sexualität nehmen:

1. durch die Erkrankung und ihre Störimpulse selbst

2. durch eine mit der Epilepsie verbundene depressive Stimmung

3. durch den Einfluss der antiepileptischen Medikamente

So haben Männer mit einer Schläfenlappenepilepsie generell einen niedrigeren Testosteron-Spiegel, der sich durch bestimmte Antiepileptika noch weiter absenken kann. Das muss nicht zwangsläufig eine sexuelle Funktionsstörung nach sich ziehen, sollten aber entsprechende Beschwerden auftreten, kann eine Hormonspiegelbestimmung Aufschluss geben. Dann kann die antiepileptische Therapie entsprechend angepasst werden.

Bei einigen Männern beeinflussen die Medikamente auch die Fruchtbarkeit, entweder durch eine geringere Spermienanzahl oder eine herabgesetzte Beweglichkeit der Spermien. Bei Kinderwunsch sollte dann ein Spermiogramm durchgeführt werden und die Epilepsietherapie entsprechend verändert werden.

In jedem Fall ist der Arzt der passende Ansprechpartner für sexuelle Probleme, egal ob es um Erektionsstörungen, fehlende Lust auf Sex, Orgasmusprobleme oder andere Schwierigkeiten geht.

Bei jungen Frauen mit Epilepsie werden vermehrt ausbleibende Regelblutung (Amenorrhoe), Zyklen ohne Eisprung (anovulatorische Zyklen) oder Zysten an den Eierstöcken (PCO = Polyzystisches Ovarialsyndrom) beobachtet. Wegen der komplizierten Zusammenhänge zwischen Hormonhaushalt und antiepileptischer Therapie sollte ein Verhütungsmittel immer in gemeinsamer Absprache mit Neurologe und Frauenarzt ausgewählt werden.

Einige Antiepileptika schwächen die Sicherheit der Pille, einige Hormonpräparate senken den Spiegel der Antiepi-leptika. Empfehlenswert ist die Einnahme eines einphasigen Verhütungsmittels ohne Einnahmepause. Zusätzliche Verhütungsmethoden wie Spirale (Intrauterinpessar) oder Kondome steigern die Sicherheit noch. Anzeichen einer verminderten Wirksamkeit der Pille können auftretende Zwischenblutungen sein, dann sollte man den Arzt um Rat fragen. Valproat ist in jedem Fall für junge Mädchen und Frauen im gebärfähigen Alter ungeeignet aufgrund eines erhöhten Fehlbildungsrisikos des Kindes.

Bei Intrauterinpessaren (Spiralen) ist bisher kein Einfluss auf die Antiepilep-tika festgestellt worden, auch nicht bei hormonhaltigen Spiralen. Für die Pille danach gibt es noch keine Daten über Wechselwirkungen mit enzyminduzierenden Antiepileptika.

Eine Schwangerschaft sollte gerade bei Epilepsie-Patientinnen gut geplant werden, um mögliche Probleme für Mutter und Kind möglichst gering zu halten. Bei einer geplanten Schwangerschaft kann im Vorfeld die Medikation optimiert und/oder eine vorsorgliche Folsäuregabe eingeleitet werden. Gerade in den ersten Wochen der Schwangerschaft ist die Gefahr einer Schädigung des Ungebor-enen am größten, daher sollte bei einer ungeplanten Schwangerschaft auch nicht von heute auf morgen die Medikation abgesetzt oder verändert werden. Wichtig ist eine engmaschige Überwachung durch den Arzt!

Quellen und weitere Informationen:

EURAP - Das europäische Register für Schwangerschaften unter Antiepileptika:
www.eurap.de

Broschüre Epilepsie und Kinderwunsch der Stiftung Michael
Als PDF- oder Druckversion kostenlos erhältlich auf www.stiftung-michael.de,
direkter Link: www.stiftungmichael.de/schriften/broschueren.php?l=1

www.krankheitserfahrungen.de/
Patienten berichten über ihren Umgang mit Sexualität

www.epikurier.de/archiv/ausgabe-22013/hauptsache-weiblich/
Artikel zum Thema Frauen und Epilepsie der Zeitschrift epiKurier

www.epileptologie-bonn.de → Patientenbroschüren