Urlaub - Freizeit - Sport

Urlaub

Ab einem gewissen Alter ist Urlaub mit den Eltern nicht mehr angesagt. Jugendliche mit Epilepsie sollten - je nach Reiseziel - einige zusätzliche Dinge vor Reiseantritt bedenken. Die meisten Probleme können schon vorher mit dem behandelnden Arzt geklärt werden. Hier einige Punkte, die dafür wichtig sind:

Flugreise

Vor der Buchung sollte man sich über die Bedingungen der Fluglinien informieren, ob sie evtl. eine Reisetauglichkeitsbescheinigung verlangen, aber auch um sich gegen mögliche Schadensersatzansprüche abzusichern, falls der Pilot aufgrund eines Anfalls eine Zwischenlandung veranlasst. Grundsätzlich ist das Risiko eines Anfalls auch bei Flugreisen nicht erhöht. Wer unsicher ist, kann mit seinem Arzt über eine einmalige Dosiserhöhung des normalen Medikaments oder die Gabe eines Benzodiazepins für den Flug sprechen. Wer nicht alleine reist, sollte seine Begleitung über Notfallmaßnahmen informieren. Medikamente gehören auf jeden Fall ins Handgepäck, auch ein Notfallausweis sollte nicht fehlen.

Tipp: Patientenbroschüre Flugreisen
der Klinik für Epileptologie Bonn
(Internet-Link im Kasten)

Bahn-, Bus- und Schiffsreisen

Unbedenklich, nur bei Automatismen mit Fluchttendenz im Anfall sollte über eine Begleitperson nachgedacht werden. Auf Schiffen besteht zusätzlich die Gefahr des Überbordfallens bei Sturz- und Grand mal-Anfällen. Die Einnahme von Medikamenten gegen Reiseübelkeit/Seekrankheit sollte vor Reisebeginn mit dem Arzt abgesprochen werden.

Autoreisen

Epilepsie-Patienten, die einen Führerschein haben und in Deutschland fahren dürfen, sollten sich vor Reiseantritt beim Konsulat über die im jeweiligen Land geltenden Führerscheinrichtlinien informieren, um sicherzustellen, dass sie dort ebenfalls fahren dürfen. Gute Informationen bieten auch die Internetseiten der Epilepsie-Organisationen des jeweiligen Landes.

Schlafmangel, Jetlag, Zeitverschiebung

Durch unregelmäßigen Schlaf können vermehrt Anfälle ausgelöst werden. Eine entsprechende Bedarfsmedikation bzw. vorbeugende Medikation sollte mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden. Besonders bei Zeitverschiebungen sollte vorher feststehen, wie man die Medikamentengabe anpasst: Ob durch das Einnehmen einer festgelegten zusätzlichen Dosis bei Reisen nach Westen bzw. das Verringern einer Dosis bei Reisen nach Osten oder durch die allmähliche Anpassung der Medikation an die Ortszeit (hilfreich ist dabei die Weckfunktion des Handys).

Tipp: Patientenbroschüre Flugreisen der Klinik für Epileptologie Bonn
(Internet-Link im Kasten)

Reisekrankheiten

Typische Reisekrankheiten wie Durchfall und Erbrechen sowie Malaria-Prophylaxe oder -Therapie und Reise-Impfungen sollten ebenfalls im Vorfeld mit dem Arzt besprochen werden, da einige Medikamente sich nicht mit den Antiepileptika vertragen.

Tipp: Patientenbroschüre Impfungen und Malariaprophylaxe der Klinik für Epileptologie Bonn
(Internet-Link im Kasten)

Gute Informationen zu Urlaub und Reisen bieten folgende Quellen:

Patientenbroschüren der Klinik für Epileptologie Bonn:
epileptologie-bonn.de/cms/front_content.php?idcat=520&lang=1

Malariagefährdung am Urlaubsort:
Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin, www.dtg.org

Buch Mobilität und Epilepsie (ISBN 978-3798515840)

Internetplattform Betanet www.betanet.de → Epilepsie und Urlaub:
www.betanet.de/betanet/soziales_recht/Epilepsie---Urlaub-558.html 

Sinnvoll und beruhigend

(nicht nur für Eltern)

Bei einer Gruppenreise sollte wenigstens ein Mitreisender oder Betreuer über die Erkrankung aufgeklärt werden und zwar so, wie es in der Schule oder am Arbeitsplatz der Fall wäre. Ein „Notfallpass“ mit der Diagnose, den einzunehmenden Medikamenten (nicht nur die Handelsnamen, sondern auch die Substanzbezeichnungen und die Milligramm-Angaben sind dabei wichtig) sollte auf jeden Fall dabei sein. Die nötigen Angaben kann man sich beim Arzt geben lassen und in einem Übersetzerbüro in Landessprache übertragen lassen oder den internationalen Epilepsie-Notfallausweis nutzen, der bei www.epilepsie-online.de bezogen werden kann. Im Internet ist ein „Epilepsie-Reisehandbuch“ verfügbar, das die wichtigsten Formulierungen in mehreren Sprachen enthält:
IBE-Reisehandbuch

Freizeit

Auch die „ganz normale“ Freizeitgestaltung mit Diskobesuch, Party, durchgemachten Nächten, Sport und Computerspielen macht Eltern Sorgen.

Disko oder Party bis zum nächsten Morgen, die LAN-Party am Wochenende, gerade Jugendliche probieren gerne ihre Grenzen aus, sind gerne in Gruppen unterwegs. Schlafmangel oder ein gestörter Schlaf-Wach-Rhythmus kann anfallsfördernd sein, genereller Verzicht auf solche Unternehmungen aber auch entwicklungshemmend. Das Gespräch in einer Gruppe von ähnlich betroffenen Eltern bzw. Jugendlichen kann helfen, eine Lösung zu finden. Jugendliche können sich die eine oder andere Strategie abschauen, wie man ohne Gesichtsverlust um 24.00 Uhr zu Hause ist. Eltern werden darin unterstützt, ihren Kindern etwas zuzutrauen und nicht jedes Verbot mit „sonst bekommst du Anfälle“ zu begründen. Falls es einmal spät geworden ist, heißt die Devise am nächsten Morgen vor allem: Ausschlafen - lieber die Tabletten etwas später nehmen.

Drogen, Alkohol, Zigaretten

Der Umgang mit legalen Drogen wie Alkohol und Nikotin ist gesellschaftlich immer noch in Ordnung. Als einziger Nichtraucher oder nüchtern zu bleiben, wenn alle anderen ein Bier nach dem anderen trinken, das erfordert ein hohes Maß an Selbstbewusstsein, Verantwortungsgefühl und Mut nicht nur von Jugendlichen.

Fakt ist: Das Anfallsrisiko steigt bei übermäßigem Alkoholgenuss, aber gegen ein oder zwei Gläser Bier oder Wein am Abend ist nichts einzuwenden. Wie bei vielen Dingen im Leben gilt: „Versuch macht klug“. Wenn sich also bereits bei einer geringen Dosis Alkohol schon verstärkt Nebenwirkungen wie Doppelbilder, Schwindel, Gangunsicherheit etc. einstellen bzw. mehr Anfälle auftreten, dann ist es wohl besser, in Zukunft ganz darauf zu verzichten. Ein generelles Alkoholverbot ist nicht nötig.

Illegale Drogen wie Ecstasy, Heroin, Amphetamine usw. sind in jedem Fall indiskutabel, nicht nur wegen des erhöhten Anfallsrisikos. Die Gefahr der Abhängigkeit und bleibender Schäden droht allen Jugendlichen und Erwachsenen, die solche Drogen nehmen. Ein gutes Selbstbewusstsein und viel Mut zum „Nein sagen“ sind der beste Schutz.

Computer und Fernseher

Computerspiele und Fernsehen sind ebenfalls ein heiß diskutiertes Thema in Familien mit Pubertierenden: „Sitz nicht so lange vor der Kiste“, den Satz kennen fast alle Jugendlichen, bei Epilepsie-Patienten wird er oft noch mit einem „Vom Flimmern bekommst Du Anfälle“ verstärkt. Fotosensibilität, also das Auslösen von Anfällen durch Lichtblitze, wird bei den ersten EEGs routinemäßig getestet und liegt auch nur bei einigen Patienten vor. Ein nicht zu dunkler Raum und genügend Abstand zum Gerät können in dem Fall schon helfen. Fotosensibilität beschränkt sich im Übrigen nicht nur auf Computer und Fernsehen: Auch die Reflexionen einer Wasseroberfläche, das Fahren durch eine Allee etc. können dann Anfälle auslösen. Der Arzt kann eine spezielle Brille verordnen, die Abhilfe schafft.

Sport

Jugendliche mit Epilepsie können und sollen sogar Sport treiben. Das Unfallrisiko ist nicht höher als bei Menschen ohne Epilepsie und sportliche Aktivitäten wirken sich sogar positiv auf die Anfallshäufigkeit aus.

Dabei sind je nach Art der Anfälle bestimmte Vorsichtsmaßnahmen notwendig, beim Wassersport ist z. B. eine Begleitperson empfehlenswert oder das Tragen einer ohnmachtssicheren Schwimmweste. Ein Fahrradhelm beim Radfahren oder Schutzkleidung beim Wintersport oder Inline-Skating ist auch für Jugendliche ohne Epilepsie anzuraten.

Eine Übersicht über Sportarten und notwendige Vorsichtsmaßnahmen für Epilepsie-Patienten ist in der Broschüre Sport bei Epilepsie der Stiftung Michael zu finden:

Als PDF- oder Druckversion kostenlos erhältlich auf www.stiftung-michael.de,

direkter Link: www.stiftung-michael.de/schriften/schriften_epilepsie.php?l=1